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L+133: Die Aufgabenliste – nicht immer Glanz und adrenalingeladen

Es ist ein ruhiger Ostersonntag heute hier auf der ISS, überhaupt keine Arbeit findet sich auf meinem Kalender, obwohl ich einige Arbeiten abseits der Aufgabenliste erledigt habe. Oh, ich glaube, ich habe euch noch nie von der Aufgabenliste erzählt – Zeit, das zu ändern.

Die Aufgabenliste ist eine Sammlung von Aktivitäten, die von der Bodenkontrolle vorbereitet wurden, aber keine so große Priorität haben, um auf dem regulären Kalender zu landen. Wenn wir in unserer Freizeit etwas arbeiten möchten, oder wenn Zeit frei wird, weil eine Aktivität schneller als erwartet abgeschlossen wird oder abgesagt wurde, können wir die Aufgabenliste durchsuchen und nützliche Dinge finden, die zu erledigen sind.

Manche sind größere Aufgaben von mehreren Stunden, andere sind kleinere Hausarbeiten, wie das Tauschen von Akku oder Hülle eines Laptops oder dem Umräumen von Ladung zur Vorbereitung einer anstehenden Aktivität. Packen und Entladen von eines Frachtfahrzeugs stehen auch oft auf der Liste, falls wir in unserer Freizeit vorarbeiten wollen.

Da es keine Option ist, mit dem Packen spät dran zu sein, fangen wir damit immer frühzeitig an: die Ladungsspezialisten am Boden schicken uns Ladungslisten lange bevor ein Fahrzeug tatsächlich ankommt, sodass wir damit beginnen können, die Säcke für die Rückkehr bereit zu machen. Im ersten Bild seht ihr das Ende von Node 2 mit all den Säcken, die wir bereits für Dragon gepackt haben. Vergleicht es damit, wie es einen Monat zuvor aussah auf dem Bild unserer Besatzung von Expedition 42!

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Das Aufnehmen von Videonachrichten oder von Lehrvideos für weitergehende Zwecke findet sich auch üblicherweise auf der Aufgabenliste, so wie auch einige Vorgänge, die dauerhafte Einträge sind: die Festmüll- und Urincontainer unserer Toiletten austauschen. Nach den ersten paar Malen braucht man dafür keine Prozeduren mehr, aber eine Aktivität auf der Liste hat außerdem auch eine Ladungsnotiz, welche einem in diesem Fall anzeigt, welche neuen Container man nehmen soll, wo man sie findet und wo die ausgebauten zu verstauen sind.

Wir ihr wisst, wird jeder Gegenstand auf der Raumstation verfolgt: per Teilenummer, Barcode, Seriennummer – oder durch alle drei!

Hin und wieder gehen trotzdem Dinge verloren. Wir sind alle nur Menschen und Fehler sind daher irgendwann vorprogrammiert: wenn etwas an der falschen Stelle landet (im echten Leben oder im Inventarsystem), wer weiß, wann es gefunden wird! Außerdem finden sich mit der Zeit immer wieder Dinge, die eigentlich bereits vor langer Zeit weggeworfen werden sollten. Anders als in den Haushalten anderer Leute, können wir es uns nicht leisten, Dinge anzusammeln, die nicht mehr benötigt werden, da wir Platz für neue Hardware brauchen, um das wissenschaftliche Programm weiter zu unterstützen.

Das europäische Columbus Labor hat davon einiges gesehen in den 7 Jahren, die es jetzt im Orbit ist. Als ich im November ankam, gab es durchaus einige Lade-Säcke vorne in den Racks: so viele Wissenschaftliche Experimente und so wenig Platz, das Equipment zu verstauen! Glücklicherweise nahmen ATV5 und SpX-5 einige Säcke, die nicht mehr gebraucht wurden, mit und eine Optimierung des verfügbaren Stauraums am Ende des Moduls hat die Kabine ein gutes Stück aufgeräumt.

Um weiter zu optimieren habe ich an den Wochenenden Foto-Audits unseres primären Lade-Racks Deck 4 in Kolumbus gemacht. Das Lade-Team beim COL-CC, die COSMOs, wollen ein genaues Bild davon haben, was sich in den Spinden befindet, um einen Plan zur Zusammenführung zu machen, um hoffentlich etwas Platz zu sparen! Ich habe also viel geknipst…geduldig, Spind für Spind, Sack für Sack, Gegenstand für Gegenstand, immer schön die Barcodes und Seriennummern zeigend.

Und ihr dachtet, Astronautin zu sein, wäre immer glamourös und adrenalingeladen, was?

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L+80 – L+82: Logbuch

Nach einem eng gesteckten Zeitplan am Wochenende, um Dragon für den Abflug und die Loslösung am Dienstag bereit zu machen, hatten wir am Mittwoch einen Tag frei. Hurra!

Ich bin eine Nachteule, also schlafe ich gern aus, wenn ich kann. Dienstagabend, bevor ich zu Bett ging, prüfte ich noch einmal den Zeitplan für Mittwoch um sicherzugehen, dass ich keinen Wecker stellen musste. Bestätigt! Also ließ ich Mittwochmorgen gegen 9:30 Uhr wie üblich die Arme aus meinem Schlafsack gleiten und checkte auf meinem Laptop den Zeitplan und die Tageszusammenfassung, eine Nachricht vom Boden mit Informationen über den Zustand der Raumstation und Fragen/Antworten/Nachrichten für die Besatzung. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich überrascht war, als ich für 7:30 Uhr morgens eine Aktivität auf dem Zeitplan sah. Wir konnte ich das am Abend zuvor übersehen haben? Und sollten wir nicht einen Tag frei haben? Und wie ernst war es, dass ich es noch nicht erledigt hatte? Aber unser Kommandant Butch ist immer schon um 5 Uhr auf, also hätte er mich nötigenfalls sicher geweckt, oder? Also, keine Panik, lasst uns sehen, worum es hier geht…

Nun, seht euch das Bild mit einem Schnappschuss der Aufgabe an. Ich lasse euch entscheiden: unsere Bodenkontrolle hat einen guten Sinn für Humor, oder? Wir verpassten die Lesung an diesem Tag und es tut mir leid, berichten zu müssen, dass ich an der angegebenen Position kein Per Anhalter durch die Galaxis finden konnte, aber wir machen das irgendwie wieder gut!

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Donnerstag und Freitag gingen wir wieder zum normalen Zeitplan über. Ich war für Butch Anwender bei einigen Augenuntersuchungen als Bestandteil von „Ocular Health“, wofür er Versuchsperson ist: ich half ihm beim Ultraschall, bei der optischen Kohärenztomografie und Funduskopie, indem ich Bilder seiner Augen machte – und das auf mehr Art und Weisen, als ich mir vor dem ISS Training je hätte vorstellen können. Ich werde dieselben Untersuchungen nächste Woche haben, allerdings finden meine seltener als bei Butch und Terry statt, da sie bei mir nur medizinisch notwendig sind, die beiden hingegen dienen als Versuchsobjekte für diese auf der Augengesundheit fokussierten Forschung.
Anschließend mussten wir ATV für das Abdocken bereit machen.

Sasha und ich hatten am Donnerstag an Bord eine Trainingssitzung, in der wir all die den Abflug vorbereitenden Maßnahmen und unsere Kontrollaufgaben durchgingen. Am Freitag schlossen wir dann die Luken auf ATV- und ISS-Seite und…ihr habt es geahnt – ihr wisst ja, wie diese Dinge laufen – wir machten eine Dichtigkeitsprüfung.

Wir machten das Vestibulum zwischen den Luken drucklos und beobachteten dann für die nächsten 30 Minuten die Druckveränderung: Wäre der Druck gestiegen, hätte entweder die Luke von ATV oder die der ISS ein Leck und würde Luft ins Vestibulum lassen. Tatsächlich kümmerte sich die Bodenkontrolle in Moskau um die Druckabsenkung: die Vestibula auf der russischen Seite haben Ventile, welche vom Boden aus kontrolliert werden können, um Luft in den Weltraum abzulassen. Unsere Luken bestanden den Test mit Bravour: bis zu 0.001 bar Druckanstieg ist erlaubt, wir hatten nur eine Änderung von 0.0007 bar.

Das war’s, das letzte ATV war bereit zum Abdocken am nächsten Tag!

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L+76 – L+79: Logbuch

Heute war ein ziemlich historischer Tag hier auf der ISS: das letzte der Automated Transfer Vehicles der ESA, ATV-5 George Lernaitre, ist gerade abgeflogen und ist nun sicher von der Raumstation getrennt, auf dem Weg zu einem morgigen, destruktiven Wiedereintritt in die Atmosphäre. Es nimmt Tonnen an Abfall und ausrangierten Gegenständen mit und verschafft uns etwas Erleichterung in Bezug auf Stauraum.

Aber wir haben in einem späteren Logbucheintrag Zeit, über den Abflug von ATV und alle vorbereitenden Tätigkeiten zu sprechen, lasst uns ein paar Tage auf den Abflug eines anderen Raumfahrzeugs Anfang dieser Woche zurückblicken: Dragon! Letztes Wochenende war ziemlich arbeitsreich hier auf der Raumstation, während wir die letzten Dinge einluden. Ich schloss das „Epigenetics“ Experiment ab, indem ich die letzten Generation unserer C. Elegans Würmer für die Rückkehr zur Erde fixierte. Wissenschaftler am Boden sahen sich durch die Kamera die Kulturbeutel und befanden, dass die Würmer der Farbe nach zu urteilen gut gewachsen waren, also haben wir nun hoffentlich drei Generationen an im All geborenen C. Elegans auf der Erde.

Am Wochenende war es außerdem Zeit, einige Kühlspeicher in Dragon zu installieren, genannt Polar und Glacier: diese mobilen Kühlschränke fliegen hinauf und runter mit der Stromversorgung von Dragon, zwischen den Flügen sind sie aber in der Raumstation installiert. Sie zu bewegen ist recht zeitkritisch, da wir sie nicht länger als 30 Minuten stromlos haben wollen. Daher arbeiteten Terry und ich eine zeitlich abgestimmte Choreographie aus, die uns erlaubte, parallel zu arbeiten und die Zeit ohne Stromversorgung zu minimieren.

Zu guter Letzt gab es am Sonntagmorgen noch einen kurzfristigen Einschub in unseren Terminplan: Die Entfernung eines Gebläse-Pumpen-Abscheiders (fan-pump-separator – FPS) an einem EMU, dem Anzug für Außeneinsätze. In Logbucheintrag L+16, L+17 erzählte ich euch vom FPS, da Butch und ich im Dezember einen ersetzten. Unglücklicherweise hat der FPS eines weiteren Anzugs versagt. Wir haben aktuell keine Ersatzteile an Bord, es wurde aber entschieden, dass der kaputte ausgebaut und mit Dragon zur Analyse am Boden zurückkehren soll. Es war das zweite Mal und daher nicht so beängstigend wie beim ersten, trotzdem war es aber eine herausfordernde Aufgabe, all die schwer erreichbaren, nicht gesicherten Schrauben und Unterlegscheiben zu entfernen. Wir waren froh, als wir fertig waren und den Abscheider an Terry übergeben konnten, sodass er ihn für die Rückkehr ordentlich verpacken konnte.

Wo wir über packen sprechen, das war eine Hauptaufgabe am Montag. Am Morgen waren wir wieder mit Kühlspeichern beschäftigt, Terry und ich beluden sechs Kühlsäcke mit Proben aus unseren MELFI Gefrierschränken. Kühlsäcke haben eine dicke Isolierung, in Ihnen werden Proben zusammen mit Kühlakkus verstaut, um sie kalt zu halten, bis sie auf der Erde geborgen und wieder in richtige Gefrierschränke verlegt werden. Für jeden Kühlsack hatten wir Schaubilder, welche uns zeigten, wie wir sie genau verpacken sollten und, in einigen Fällen, sogar in welcher Ausrichtung.

Unglücklicherweise ist dies eins der Dinge, die mit der Hilfe von Schwerkraft deutlich besser funktionieren, da es hier oben nichts gibt, das all die Gegenstände dort festhält, wo man sie platziert hat, bevor der Sack geschlossen ist und der Deckel alles fixiert. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das Packen von Kühlsäcken eine Angelegenheit für den letzten Moment: wir packten sie am Montagmorgen und Montagnachmittag schlossen wir Dragons Luke. Terry und Butch installierten anschließend die Steuereinheiten für die Motoren, die die Bolzen bewegen, welche Dragon an der ISS befestigen. Währenddessen unternahm ich einen Ausflug zum ATV, um die Kamera zu installieren, welche den Aufbruch von ATV morgen von innen filmen wird!

Dienstag war dann der Tag der Freisetzung. Nach einer erfolgreichen Dichtungsprüfung der Luken, mit der wir sicher gingen, dass weder Dragon noch die ISS nach der Trennung lecken würden, drehte Butch die Bolzen heraus, wodurch sich Dragon von uns löste und anschließend begannen Kontrollmitarbeiter am Boden den Roboterarm zu steuern, um Dragon zur Position für die Freisetzung zu bewegen.

Am frühen Abend waren Terry und ich an der Roboter-Arbeitsstation in der Cupola bereit, die Freisetzung durchzuführen und Dragon auf den Weg nach Hause zu schicken. Zum Zeitpunkt der Freisetzung löste ich die Verbindung und bewegte den Arm auf eine sichere Distanz von etwa 4,5m zurück. An dem Punkt schickte Terry das Abflugkommando und Dragon führte seine erste Zündung durch, eine langsame, aber deutlich sichtbare Loslösung von der ISS auslösend. Es ist seltsam, Dragon gehen zu sehen, nachdem wir hier in Node 2 für mehrere Wochen Nachbarn waren. Aber hey, wir kriegen bald ein neues!

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L+74 – L+75: Logbuch

Gestern haben wir Dragon zurück nach Hause geschickt! Ich werde euch in den nächsten Tagen mehr darüber erzählen, aber fürs Erste kann ich sagen: Auf die letzten Wochen seit Dragons Ankunft zurückblickend ist es sehr zufriedenstellen, über all die erledigte Arbeit nachzudenken, von den Experimenten über das Be- und Entladen bis zur Verlegung von kalten Proben aus den Kühl- und Gefrierschränken in Kühlbeutel für die Rückkehr. Es ist allerdings auch schön, heute mal durchatmen zu können: da wir das ganze Wochenende hart arbeiten mussten, haben wir diesen Mittwoch frei. Eine nette Überraschung!

Aber lasst uns noch einmal auf letzte Woche zurückkommen und auf die Aussetzung von etwas sehr viel kleinerem an einem etwas kleineren Roboterarm: ein kleiner Cubesat in den Dimensionen 10cm x 10cm x 10cm, ausgesetzt vom japanischen Arm am Freitag. Ziemlich cool anzuschauen!

Es wurden an den Tagen vor der Aussetzung einige Vorbereitungen getroffen, in enger Zusammenarbeit mit dem JEM Kontrollzentrum in Tsukuba, Japan. Wir ihr euch vielleicht erinnern könnt, wenn ihr das Logbuch gelesen habt, hat das JEM Modul seine eigene Luftschleuse: wir können eine Luke nach innen öffnen und einen Tisch in die Kabine fahren. In der Woche vor der Aussetzung installierte Butch auf diesem Tisch das Aussetzsystem zusammen mit dem Cubesat darin. Am Donnerstag letzter Woche machte ich die Luftschleuse drucklos. Übrigens hat die japanische Luftschleuse, wie die große für die Außeneinsätze auch, Vorrichtungen, den Großteil der Luft in die Raumstation zurückzugewinnen – nur das letzte bisschen Luft, wenn der Druck in der Luftschleuse zu gering wird (ungefähr 0.14 bar), muss in den Weltraum abgelassen werden. Sobald die Schleuse auf Vakuum-Level war, öffnete ich die äußere Luke zum Weltraum und ließ den Tisch mit dem Satelliten und dem Aussetzsystem hinausgleiten. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen die Kollegen in Tsukuba die Kontrolle und griffen das Aussetzsystem mit dem japanischen Roboterarm und, nachdem sie es fest im Griff hatten, bekam ich das Go, es vom Tisch loszulösen, sodass der Arm volle Kontrolle darüber hatte und es in die Aussetzposition bewegen konnte. Meine nächste Aufgabe war es, Bilder vom Aussetzen zu machen und ich muss sagen, dass mich das etwas nervös machte: Man bekommt nur eine Chance, den richtigen Moment zu treffen und der Satellit bewegt sich schnell fort, sobald er ausgesetzt ist! Das wollte ich wirklich nicht vermasseln, ich kann mir die Enttäuschung der Studenten, die den Cubesat entwickelten und davon keine Bilder hätten, kaum vorstellen.

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Wo ich gerade über Studenten spreche, am Mittwoch hatte ich außerdem die Möglichkeit, über Amateurfunk mit einer Gruppe Schüler der Schulen „Locatelli-Oriani“ und „Bachelet“ aus der Gegend um Mailand zu sprechen: danke für euren tollen Fragen und eure harte Arbeit während der Vorbereitung hierfür!

Am Freitag verbrachte ich einige Zeit in unserer Luftschleuse mit der Arbeit an den EMU Anzügen für die Außeneinsätze. Ich arbeitete an den Kühlwasserkreisläufen beider Anzüge, die bei den für Terry und Butch geplanten Außeneinsätzen genutzt werden und reinigte das Wasser mit verschiedenen Arten von Filtern und durch das Hinzufügen von Jod zur mikrobiellen Überwachung. Anschließend nahm ich Wasserproben, die mit Dragon zur Kontrolle am Boden zurückkehrten. Die Reinigung des Kühlkreislaufs kann auch dazu genutzt werden, Checks an den Anzügen zu durchzuführen und Telemetriedaten zur Bodenkontrolle zu schicken, daher wurden beide Anzüge an einen Laptop angeschlossen, auf dem eine Software zur Datenerfassung lief.

Am Freitag konnte ich übrigens auch mit der Kontrollstation in Moskau sprechen, wozu wir nicht-russischen Besatzungsmitglieder nicht oft die Möglichkeit kriegen. Während wir uns auf das Abdocken von ATV am Samstag vorbereiten, führte ich eine Prüfungsprozedur für das ATV Fernsteuerungspanel durch, welches wir im russischen Servicemodul haben werden, wenn ATV abreist. Wir werden nur im Falle von nicht-normalen Situationen Kommandos an ATV senden müssen. Daher gehe ich davon aus, dass wir das Kontrollpanel nicht wirklich brauchen, aber wir werden trotzdem bereit sein!

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L+68 – L+71: Logbuch

Nun, da sind wir. Bereits zehn Wochen sind vergangen: ich weiß nicht was hier oben los ist, aber die Zeit vergeht viel zu schnell!
Am Freitag hatte ich eine weitere Verabredung mit unseren Weltraumwürmen, den C. Elegans, als ich die Woche mit einer Sitzung des Epigenetics-Experiments abschloss. Ich trennte wieder die Babywürmer von den Erwachsenen, wie ich im letzten Logbucheintrag beschrieb, also wächst nun die dritte Generation im Brutkasten heran. Die eine Hälfte schwerelos, die andere Hälfte in der 1G Zentrifuge.

Ich kümmerte mich am Freitag außerdem um das interne Kühlsystem des Kolumbus Moduls. Wie ihr wisst, nutzen wir Wasser, um Wärme von Ausrüstung (durch Kühlplatten) und aus der Kabine (durch die Klimaanlage) abzuführen und in regelmäßigen Abständen muss dem Wasser die antimikrobielle Substanz OPA zugesetzt werden, um zu verhindern, dass sich Mikroorganismen in den Leitungen bilden. Tatsächlich erledigte Terry die meiste Arbeit bereits letzte Woche – ich hatte am Freitag nur die Aufgabe, Wasserproben zu nehmen, nachdem das OPA hinzugefügt wurde. Das Wasser wird zur Erde zurückkehren und wird am Boden daraufhin untersucht, dass die gewünschte OPA Konzentration vorliegt.

Sonntags schlafe ich üblicherweise aus – ich bin eine Nachteule, keine Frühaufsteherin – diesmal war ich für eine ganz besondere Aufgabe allerdings schon um 08:00 Uhr wach. Ich sprach für etwa 10 Minuten über Amateurfunk mit italienischen Schülern: die Schüler des Instituts „G. Bearzi“ in Udine (hallo!) und eine ganz besondere Gruppe von jungen Männern und Frauen aus der ganzen Welt, die gerade ihren Schüleraustausch an italienischen Schulen beginnen, all das dank der non-Profit Organisation Intercultura, oder – international – AFS. Ich war selbst Intercultura-AFS Austauschschülerin und verbrachte ein Jahr an einer Schule in den USA, während mein Besatzungskamerad Terry einen Sommer in Finnland war! Und an alle Austauschschüler, die dies lesen: Ich bin stolz auf euch, ich hoffe, ihr genießt euer Abenteuer, dass ihr auch in schwierigen Zeiten (sie werden kommen) immer euer Lächeln behaltet und dass ihr anerkennt, dass dies ein großes Geschenk ist und eine Verantwortung mit sich bringt. Und ich bin den Familien, die all das möglich machen und einen Austauschschüler aufnehmen, extrem dankbar: vielen Dank für eure Großzügigkeit, ihr seid super!

Ok, zurück zum Boden der Tatsachen: Urin. Ich weiß, nicht besonders glamourös, aber größtenteils um ihn drehten sich am Montag meine Gedanken und Arbeiten. Da ATV5 uns bald verlässt, standen einige Salzwasser-Transfers in die ATV Flüssigkeitstanks auf dem Programm, die zwischenzeitlich von Wasser entleert waren. Wie ihr euch vielleicht erinnert, ist Salzwasser der Überrest von recyceltem Urin und dessen letztes Abfallprodukt. Es ins ATV zu verlegen erledigt die Aufgabe, es zu beseitigen und gleichzeitig hilft uns dies bei den Problemen mit der Masseverteilung und dem Schwerpunkt, von dem ich im letzten Logbucheintrag sprach.

Im Bild ersetze ich einen Recycling-Tank voller Salzwasser mit einem leeren. Ein ganz schönes Monstrum, was?

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L+66, L+67: Logbuch

Im letzten Logbucheintrag erwähnte ich, dass die ISS in den letzten Tagen ein vielbeschäftigtes Labor ist, in dem simultan Experimente in verschiedensten Bereichen durchgeführt werden. Gleichzeitig ist sie auch ein Weltraumbahnhof, in dem Schiffe voll mit Gütern kommen und gehen. Aktuell haben wir 2 Fahrzeuge hier, Dragon und ATV, welche uns in den nächsten zwei Wochen verlassen und für den Abflug und Wiedereintritt vorbereitet werden müssen. Daher habe ich meinen virtuellen Laborkittel für die nächsten paar Tage (größtenteils) abgelegt, die Ärmel hochgekrempelt und bin im Fracht-verpacken-und-verladen-Modus.

Ein Raumfahrzeug für den Wiedereintritt in die Atmosphäre zu beladen ist ein heikler Prozess: das Gesamtgewicht und wie das Gewicht verteilt ist (und demzufolge der Schwerpunkt) müssen genau bekannt sein, um die Zündungen der Düsen für die gewünschte Wiedereintrittsflugbahn genau berechnen zu können. Das ist besonders wichtig für ein Raumfahrzeug wie Dragon, das auf der Erde geborgen werden soll, ebenso aber auch für ATV5, da dieses in der Anfangsphase einen besonders kontrollierten Wiedereintritt durchführen wird, um Daten für das kontrollierte Absenken und Abstürzen der Umlaufbahn der Raumstation zu sammeln (wenn die Zeit gekommen ist, das ist nicht sehr bald).

Wie ihr vielleicht wisst, wird ATV in der Atmosphäre zerstört, also beladen wir es mit Müll: Abfall, Verpackungsmaterial, alte Kleidung und ausrangierte Dinge. Und wir beladen es bis zum Maximum, da die Logistik an Bord durch den Verlust der Orbital 3 Mission im Oktober eine Herausforderung wurde: wir haben einen Haufen „Kram“ (hochtechnischer Weltraum-Begriff), der schon lange fort sein sollte! Ebenfalls aus diesem Grund beladen wir sogar Dragon mit einer begrenzten Menge an Müll, obwohl das Fahrzeug am Boden (oder genauer gesagt im Meer) intakt geborgen wird und daher seine Hauptaufgabe das Zurückbringen von Fracht ist.

Aber wie funktioniert das alles, dass die Massenverteilung so genau sein muss? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht ganz genau. Es finden einige Planungs- und Koordinierungswunder am Boden statt und wir bekommen als Ergebnis daraus zwei Dinge: eine Frachtliste, die alle Beutel, ihren Inhalt, wo sie sich befinden, wo sie hin gehören und spezielle Packanweisungen auflistet und eine Info darüber, in welcher Reihenfolge gepackt werden muss und ebenfalls spezielle Anweisungen, wie z.B. Bilder zu machen, eine Seriennummer aufzuschreiben oder ein Teil in einer bestimmten Richtung zu verpacken. Falls in den Beuteln noch Platz ist, füllen wir diesen mit Füllschaum auf, in dem Frachtgut beim Start verpackt war und mit Reißverschlussbeuteln, gefüllt mit alter Kleidung. Und mit Glück passen sie in ihren vorbestimmten Stauraum – welcher natürlich auch einen Ortungscode hat, sodass wir genau wissen, welcher Beutel wo hin gehört.

Am Mittwoch, während wir mit der Planung beschäftigt waren, drehte die Flugkontrolle die Raumstation um 180 Grad – anstatt, wie üblich, Node 2 zeigt nun das russische Servicemodul nach vorn. Ich bekam davon überhaupt nichts mit – ich hatte es sogar vergessen. Bei einem Blick aus der Cupola hätte ich es natürlich sofort erkannt, das war allerdings nicht möglich, da die Klappen wegen der Manöver den ganzen Tag geschlossen bleiben mussten. Hier habe ich auch eine neue psychologische Störung für euch: Cupola-Entzugssyndrom!

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Aber warum flogen wir am Mittwoch „rückwärts“? Nun, wir mussten die Düsen von ATV nach vorne drehen, sodass sie gezündet werden konnten, um die Station etwas abzubremsen – genug, um das Apogäum (den hohen Punkt des Orbits) ein paar Kilometer abzusenken. Üblicherweise nutzen wir das ATV genau für das Gegenteil – um den Orbit mit einem sogenannten Reboost regelmäßig anzuheben. Diesmal jedoch war ein „Deboost“ nötig, um unseren Orbit für das nächste Progress Raumfahrzeug genau richtig zu kriegen.

Der „Deboost“ dauerte ungefähr 4 Minuten: Ich schwebte noch im US Labor und ließ mich zum anderen Ende des Moduls treiben, während ATV die Raumstation um mich herum drückte. Sowas macht Spaß!

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