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L+68 – L+71: Logbuch

Nun, da sind wir. Bereits zehn Wochen sind vergangen: ich weiß nicht was hier oben los ist, aber die Zeit vergeht viel zu schnell!
Am Freitag hatte ich eine weitere Verabredung mit unseren Weltraumwürmen, den C. Elegans, als ich die Woche mit einer Sitzung des Epigenetics-Experiments abschloss. Ich trennte wieder die Babywürmer von den Erwachsenen, wie ich im letzten Logbucheintrag beschrieb, also wächst nun die dritte Generation im Brutkasten heran. Die eine Hälfte schwerelos, die andere Hälfte in der 1G Zentrifuge.

Ich kümmerte mich am Freitag außerdem um das interne Kühlsystem des Kolumbus Moduls. Wie ihr wisst, nutzen wir Wasser, um Wärme von Ausrüstung (durch Kühlplatten) und aus der Kabine (durch die Klimaanlage) abzuführen und in regelmäßigen Abständen muss dem Wasser die antimikrobielle Substanz OPA zugesetzt werden, um zu verhindern, dass sich Mikroorganismen in den Leitungen bilden. Tatsächlich erledigte Terry die meiste Arbeit bereits letzte Woche – ich hatte am Freitag nur die Aufgabe, Wasserproben zu nehmen, nachdem das OPA hinzugefügt wurde. Das Wasser wird zur Erde zurückkehren und wird am Boden daraufhin untersucht, dass die gewünschte OPA Konzentration vorliegt.

Sonntags schlafe ich üblicherweise aus – ich bin eine Nachteule, keine Frühaufsteherin – diesmal war ich für eine ganz besondere Aufgabe allerdings schon um 08:00 Uhr wach. Ich sprach für etwa 10 Minuten über Amateurfunk mit italienischen Schülern: die Schüler des Instituts „G. Bearzi“ in Udine (hallo!) und eine ganz besondere Gruppe von jungen Männern und Frauen aus der ganzen Welt, die gerade ihren Schüleraustausch an italienischen Schulen beginnen, all das dank der non-Profit Organisation Intercultura, oder – international – AFS. Ich war selbst Intercultura-AFS Austauschschülerin und verbrachte ein Jahr an einer Schule in den USA, während mein Besatzungskamerad Terry einen Sommer in Finnland war! Und an alle Austauschschüler, die dies lesen: Ich bin stolz auf euch, ich hoffe, ihr genießt euer Abenteuer, dass ihr auch in schwierigen Zeiten (sie werden kommen) immer euer Lächeln behaltet und dass ihr anerkennt, dass dies ein großes Geschenk ist und eine Verantwortung mit sich bringt. Und ich bin den Familien, die all das möglich machen und einen Austauschschüler aufnehmen, extrem dankbar: vielen Dank für eure Großzügigkeit, ihr seid super!

Ok, zurück zum Boden der Tatsachen: Urin. Ich weiß, nicht besonders glamourös, aber größtenteils um ihn drehten sich am Montag meine Gedanken und Arbeiten. Da ATV5 uns bald verlässt, standen einige Salzwasser-Transfers in die ATV Flüssigkeitstanks auf dem Programm, die zwischenzeitlich von Wasser entleert waren. Wie ihr euch vielleicht erinnert, ist Salzwasser der Überrest von recyceltem Urin und dessen letztes Abfallprodukt. Es ins ATV zu verlegen erledigt die Aufgabe, es zu beseitigen und gleichzeitig hilft uns dies bei den Problemen mit der Masseverteilung und dem Schwerpunkt, von dem ich im letzten Logbucheintrag sprach.

Im Bild ersetze ich einen Recycling-Tank voller Salzwasser mit einem leeren. Ein ganz schönes Monstrum, was?

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(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
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(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
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Alle Bilder © ESA/NASA

L+66, L+67: Logbuch

Im letzten Logbucheintrag erwähnte ich, dass die ISS in den letzten Tagen ein vielbeschäftigtes Labor ist, in dem simultan Experimente in verschiedensten Bereichen durchgeführt werden. Gleichzeitig ist sie auch ein Weltraumbahnhof, in dem Schiffe voll mit Gütern kommen und gehen. Aktuell haben wir 2 Fahrzeuge hier, Dragon und ATV, welche uns in den nächsten zwei Wochen verlassen und für den Abflug und Wiedereintritt vorbereitet werden müssen. Daher habe ich meinen virtuellen Laborkittel für die nächsten paar Tage (größtenteils) abgelegt, die Ärmel hochgekrempelt und bin im Fracht-verpacken-und-verladen-Modus.

Ein Raumfahrzeug für den Wiedereintritt in die Atmosphäre zu beladen ist ein heikler Prozess: das Gesamtgewicht und wie das Gewicht verteilt ist (und demzufolge der Schwerpunkt) müssen genau bekannt sein, um die Zündungen der Düsen für die gewünschte Wiedereintrittsflugbahn genau berechnen zu können. Das ist besonders wichtig für ein Raumfahrzeug wie Dragon, das auf der Erde geborgen werden soll, ebenso aber auch für ATV5, da dieses in der Anfangsphase einen besonders kontrollierten Wiedereintritt durchführen wird, um Daten für das kontrollierte Absenken und Abstürzen der Umlaufbahn der Raumstation zu sammeln (wenn die Zeit gekommen ist, das ist nicht sehr bald).

Wie ihr vielleicht wisst, wird ATV in der Atmosphäre zerstört, also beladen wir es mit Müll: Abfall, Verpackungsmaterial, alte Kleidung und ausrangierte Dinge. Und wir beladen es bis zum Maximum, da die Logistik an Bord durch den Verlust der Orbital 3 Mission im Oktober eine Herausforderung wurde: wir haben einen Haufen „Kram“ (hochtechnischer Weltraum-Begriff), der schon lange fort sein sollte! Ebenfalls aus diesem Grund beladen wir sogar Dragon mit einer begrenzten Menge an Müll, obwohl das Fahrzeug am Boden (oder genauer gesagt im Meer) intakt geborgen wird und daher seine Hauptaufgabe das Zurückbringen von Fracht ist.

Aber wie funktioniert das alles, dass die Massenverteilung so genau sein muss? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht ganz genau. Es finden einige Planungs- und Koordinierungswunder am Boden statt und wir bekommen als Ergebnis daraus zwei Dinge: eine Frachtliste, die alle Beutel, ihren Inhalt, wo sie sich befinden, wo sie hin gehören und spezielle Packanweisungen auflistet und eine Info darüber, in welcher Reihenfolge gepackt werden muss und ebenfalls spezielle Anweisungen, wie z.B. Bilder zu machen, eine Seriennummer aufzuschreiben oder ein Teil in einer bestimmten Richtung zu verpacken. Falls in den Beuteln noch Platz ist, füllen wir diesen mit Füllschaum auf, in dem Frachtgut beim Start verpackt war und mit Reißverschlussbeuteln, gefüllt mit alter Kleidung. Und mit Glück passen sie in ihren vorbestimmten Stauraum – welcher natürlich auch einen Ortungscode hat, sodass wir genau wissen, welcher Beutel wo hin gehört.

Am Mittwoch, während wir mit der Planung beschäftigt waren, drehte die Flugkontrolle die Raumstation um 180 Grad – anstatt, wie üblich, Node 2 zeigt nun das russische Servicemodul nach vorn. Ich bekam davon überhaupt nichts mit – ich hatte es sogar vergessen. Bei einem Blick aus der Cupola hätte ich es natürlich sofort erkannt, das war allerdings nicht möglich, da die Klappen wegen der Manöver den ganzen Tag geschlossen bleiben mussten. Hier habe ich auch eine neue psychologische Störung für euch: Cupola-Entzugssyndrom!

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Aber warum flogen wir am Mittwoch „rückwärts“? Nun, wir mussten die Düsen von ATV nach vorne drehen, sodass sie gezündet werden konnten, um die Station etwas abzubremsen – genug, um das Apogäum (den hohen Punkt des Orbits) ein paar Kilometer abzusenken. Üblicherweise nutzen wir das ATV genau für das Gegenteil – um den Orbit mit einem sogenannten Reboost regelmäßig anzuheben. Diesmal jedoch war ein „Deboost“ nötig, um unseren Orbit für das nächste Progress Raumfahrzeug genau richtig zu kriegen.

Der „Deboost“ dauerte ungefähr 4 Minuten: Ich schwebte noch im US Labor und ließ mich zum anderen Ende des Moduls treiben, während ATV die Raumstation um mich herum drückte. Sowas macht Spaß!

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L+59 – L+65: Logbuch

Die letzte Woche waren meine Tage gefüllt mit Experimenten – sorry, dass ich euch nicht gut auf dem Laufenden gehalten habe, aber wir haben wirklich viel zu tun hier oben auf dem Außenposten der Menschheit im Weltraum!

Einige Experimente waren alte Bekannte, wie „Circadian Rhythms“ und einige neu, wie z.B. ESAs „Airway Monitoring“. Über letzteres sprach ich recht ausführlich in meinen Logbucheinträgen während der Trainings, wie z.B. in L-129.

https://plus.google.com/+SamanthaCristoforetti/posts/MtNoDoiRMfZ

Nach einigen Problemen mit den Geräten (welche recht komplex sind und zum Teil das erste Mal an Bord genutzt werden) bekamen Terry und ich alle benötigten Daten für die Sitzung mit „normalem“ Druck: in einigen Wochen führen wir die Messung mit reduziertem Druck durch, wofür wir uns in der Luftschleuse einschließen und den Luftdruck um uns herum absenken werden.
Ich glaube, dass es nicht viele Labortechniker auf dem Planeten gibt, welche in einem so breit gefächerten, wissenschaftlichen Spektrum arbeiten können, wie wir: Ich vermute, dass alle Laboratorien auf der Erde sehr viel spezialisierter und Wissenschaftler und Techniker auf einen spezifischen Bereich trainiert sind. Wir hingegen haben keine speziellen Fähigkeiten und keine großen Erfahrungen in den wissenschaftlichen Dingen, die wir tun: teilweise hatten wir vor vielen Monaten eine Übung, teilweise kriegen wir Trainings an Bord, wie z.B. Videos oder Folien.

Natürlich haben einige Astronauten einen Hintergrund in experimenteller Wissenschaft, aber das ist nicht die Mehrheit: die meisten von uns verlassen sich auf sehr detaillierte Verfahrensanweisungen und, bei den sehr komplexen Aufgaben, auf Echtzeit-Unterstützung durch die Entwickler und/oder Forscher der Experimente von der Bodenkontrolle. Manchmal sprechen sie nur über die regulären Kommunikationsmitarbeiter, die gerade Dienst haben, mit uns, wie z.B. von Eurocom für ESA Aufgaben, während sie manchmal direkt über eine All-zu-Boden-Verbindung mit uns kommunizieren, die nur sie nutzen.

Mein eigener wissenschaftlicher Hintergrund ist begrenzt – was man eben bei einem Ingenieursabschluss so mitbekommt. Und hätte ich eine wissenschaftliche Ausbildung anstatt einer im Ingenieurwesen gewählt, wäre es Physik gewesen. Selbst dann hätte ich also kaum eine Gelegenheit gehabt, mit Zellkulturen und Mehrgenerationen-Experimenten mit Fruchtfligen und Würmern zu arbeiten. Ich bin auch nicht sicher, ob ich für einen Vollzeit Job dafür geeignet wäre – man braucht vermutlich mehr Geduld, als ich habe – aber trotzdem habe ich viel Spaß an diesen Experimenten hier auf der ISS!

Montag zum Beispiel konnte ich wieder am Projekt „Epigenetics“ arbeiten. Meine kleinen Freunde sind in dem Fall nicht Fruchtfliegen, sondern andere Tiere, die üblicherweise in der Forschung als Modell für größere Organismen genutzt werden: ein 1mm langer Wurm namens Caenorhabditis Elegans, unter Freunden C. Elegans. Und genauso, wie mit den Fruchtfliegen, möchten wir, dass sie Babys bekommen: ganze vier Generationen werden an Bord heranwachsen und Exemplare jeder Generation (Erwachsene und Larven) werden für die Rückkehr im Tiefkühlschrank konserviert.

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Dragon brachte die C. Elegans in Starterspritzen mit nach oben und ich injizierte sie letzte Woche in Verschlussbeutel, um das Ausbrüten zu beginnen. Am Montag entnahm ich dann die Babys mithilfe einer speziellen Spritze mit einem Filter, der die größeren, erwachsenen Würmer nicht durchließ. Die erste Generation Erwachsener verblieb im originalen Verschlussbeutel und wurde eingefroren, während ich die zweite Generation Babys in einem anderen Beutel platzierte, um sie weiter ausbrüten zu lassen. Der Zweck des Experiment ist es, wie der Name schon sagt, vererbte epigenetische Veränderungen zu untersuchen: also Änderungen in der Genexpression, nicht aber der DNA selbst.
Anders gesagt: die Umwelt kann nicht die Gene in der DNA verändern, aber sie kann Auswirkungen darauf haben, wie Gene sich äußern oder „aktiviert“ werden. Die Würmer passen sich an die Schwerelosigkeit an und verändern ihre Genexpression, die Frage ist also: Wann und, wenn ja wie, wirken sich diese Veränderungen auf ihren Nachwuchs aus?

Faszinierend, oder?

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L+57, L+58: Logbuch

L+57, L+58: Logbuch

Diese Woche war eine, in der das Thema der Experimente…ich war.
Die menschliche Physiologie war auf meinem wissenschaftlichen Zeitplan definitiv sehr präsent, angefangen bereits am Wochenende, als ich während des Schlafs Daten gesammelt habe! Dragon brachte mir eine ganz besondere Nachtgarderobe: eine Weste für das Experiment „tragbare Überwachung“ (Wearable Monitoring), welche ich zwei Nächte in Folge tragen musste, um erste Daten zu erfassen. Die Weste wurde speziell für mich angepasst und sitzt recht eng, da sie Instrumente eingebaut hat, die Kontakt zu meinem Körper brauchen: Elektroden für ein „klassisches“ Elektrokardiogramm und einen 3-Achsen-Beschleunigungsmesser, der die Mechaniken des Herzens überwacht, vor allem das Öffnen und Schließen der Herzklappen. Die Hypothese, die hier untersucht werden soll, ist die, dass kleine Veränderungen in den Herzfunktionen Mikro-Erwachen auslösen können, welche die Schlafqualität auf der ISS beeinflussen. Allerdings muss ich, natürlich von einem völlig subjektiven und nicht quantitativen Standpunkt aus gesehen, sagen, dass ich hier oben sehr gut schlafe!

Früh am Montagmorgen war es Zeit für meine erste Sitzung Gehirnablauf (Brain Drain). Wir hatten zu Beginn der Mission zwar bereits einen Ultraschall, doch für diese bestimmte Art der Messungen mussten wir, nach dem Verlust der Orbital-3-Mission, auf Ersatzgeräte von Dragon warten. Als Instrumente für Brain Drain werden unter anderem drei Dehnmessstreifen für die Plethysmografie gebraucht, welche aussehen wie ein Halsband aus dehnbarem Material, wie auf dem ersten Bild zu sehen. Tatsächlich sind es Sensoren, welche den Blutfluss der Venen auf eine nichtinvasive Art messen, die nicht von den Fähigkeiten des Anwenders abhängig ist, wie zum Beispiel beim Ultraschall. Während ich die Bänder am Hals, Arm und Bein angelegt hatte, machte ich mehrere Atmungen mit 70% meines Lungenvolumens, jeweils ohne Aktivität und mit Anspannen und Drehen der Hand oder des Fußes. Währenddessen atmete ich in unseren Lungenfunktionsprüfer und die Software zeigte mir, über eine grafische Oberfläche, wann ich ein- oder ausatmen sollte. Das Ziel des Experiments ist herauszufinden, wie sich der Rückfluss des Blutes aus dem Kopf ins Herz im Weltraum verändert, da wir hier keine helfenden Auswirkungen der Gravitation haben. Wir wissen darüber noch wenig und ein besseres Verständnis dieser Mechanismen der Zirkulation könnte möglicherweise dabei helfen, degenerative Hirnkrankheiten besser zu verstehen.

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Nach dem Gehirnablauf-Experiment ging es weiter mit dem zweiten Herz-Sauerstoff-Experiment während der Mission, welches Ultraschallbilder der Hals- und Oberarmarterien und Doppler-Messungen des Blutflusses macht. Und um den Physiologie-Tag abzuschließen, habe ich außerdem Daten für das Skin-B-Experiment gesammelt, von dem ich euch bereits erzählte. Da viele dieser Experimente miteinander vergleichbare Probensammlungen brauchen, habe ich am Dienstag eine 24-stündige Urinprobensammlung gemacht und „Terry, der Vampir“ (ein guter Freund von „Terry mit den Scherenhänden“, dem Friseur) nahm mir Blut ab.

Aber wie ihr wisst, haben wir nicht nur Menschen auf der ISS! Moment, freut euch nicht zu früh, mir ist weder etwas von Aliens als blinde Passiere bekannt noch von Ufos ,die bewaffnete Luftraumüberwachung fliegen – wir haben aber natürlich unsere lieben Fruchtfliegen an Bord. Einige der Kassetten mit Fliegen und Larven sind inzwischen im Tiefkühlschrank gelandet, aber ich habe weitere Kassetten in die Zentrifuge gelegt und ihre feste Position ihrer jeweils zugeordneten Anlage und das Mehrgenerationen-Projekt geht weiter. Für einige der Arbeiten zur Fixierung habe ich einen Einweg-Handschuhkasten gebaut und genutzt, den ihr im zweiten Bild sehen könnte. Ich wusste nicht mal, dass wir die an Bord haben, die Raumstation ist immer wieder für Überraschungen gut!

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L+55: Logbuch

L+55: Logbuch

Ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran mit den Logbucheinträgen, aber habt Nachsicht – ich möchte euch noch mal zu letzter Woche zurückbringen, denn Freitag hatten wir ein besonderes Ereignis auf der Raumstation: Butch, Elena und ich hatten das Vergnügen und die Ehre, im Japanischen Labor das Finale des Zero-Robotics-Wettbewerbs auszurichten!

Um an den Zero Robotics teilzunehmen, müssen Oberstufenschüler Code schreiben, der einen SPHERES-Satelliten steuert. Auf der Erde natürlich nur in Simulationen, doch der Code des Teams, das ins Finale kommt, steuert tatsächlich eine der echten SPHERES-Einheiten, die wir hier auf der Raumstation haben.
SPHERES bestimmen ihre Position im Raum mithilfe von fünf Blinklichtern, die wir im JEM platzieren, wodurch diese das Volumen des Raums bestimmen, in dem die Satelliten arbeiten. Kleine Düsen ermöglichen es den SPHERES, sich zu bewegen und zu drehen. Das Antriebsgas für die Düsen ist CO2, das sich in kleinen Tanks befindet, die wir schnell austauschen können, wenn sie leer sind.
Zu Beginn jedes Laufs platzieren wir zwei Satelliten in vorbestimmten Anfangspositionen und -ausrichtungen und lassen sie anschließend los, ab hier übernimmt der Code der zwei konkurrierenden Teams die Steuerung. Während wir die meiste Zeit die SPHERES dabei beobachten, wie sie sich durch die Kabine bewegen, haben wir ebenfalls ein Auge auf das Computer-Display, das die virtuelle Umgebung darstellt, in dem die Satelliten sich bewegen und in deren Mitte sich ein Asteroid befindet. Die Aufgabe der Satelliten war es, ein Foto des Asteroiden zu machen. Doch damit nicht genug: Um Punkte zu sammeln, mussten sie ihre Antennen auf die Erde richten und die Bilder übertragen. All das während sie Sonneneruptionen auswichen, indem sie sich in einem Schutzort hinter dem Satelliten platzieren, um nicht zu riskieren, ihre gespeicherten Bilder oder sogar den ganzen Satelliten (virtuell) zu beschädigen, falls sie von den Eruptionen getroffen würden.
Glaubt jedoch nicht, dass das Schreiben von Code hier die einzige notwendige Fähigkeit wäre: Zero Robotics ist vor allem auch ein Strategiespiel und es war toll, die unterschiedlichen Spielstile zu sehen, manche vorsichtiger, manche aggressiver.

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Haushaltung mit Treibstoff war ebenfalls ein wichtiger Punkt: Für jeden Lauf hatte der Satellit eine bestimmte Menge an CO2. Sobald diese verbraucht war, konnten sie die Düsen nicht mehr zünden – außer die Satelliten begannen, sich aus dem erlaubten Raum zu bewegen. In diesem Fall übernahm der Code des MIT die Kontrolle und zündete die Düsen, um sie wieder in den Raum zurückzubringen.

Das MIT betreibt SPHERES und die Zero-Robotics-Wettbewerbe und die meisten der US-Finalisten waren dort versammelt, um die Finals zu sehen, während die europäischen Finalisten in der ESA-Anlage ESTEC in den Niederlanden zuschauten – zusammen mit einem Team, das den weiten Weg aus Russland angereist war!
Einige weitere Teilnehmer waren in Moskau versammelt.
Übrigens mussten sich die Teams nach den Anfangsphasen in Dreierbündnissen zusammentun und ich glaube, dass alle Bündnisse Teams aus den USA und aus Europa beinhalteten, was ich klasse fand.

Fürs Protokoll, die Zero-Robotics-Gewinner 2014 sind die LakeElevenVADARS, das Bündnis aus den Teams Lake (USA), Cora’s Eleven (Italien) und VADARS (USA). Herzlichen Glückwunsch!
Und an alle die teilgenommen haben, wir hier oben sind sehr stolz auf euch: auf euren Enthusiasmus und euer Engagement bei einem Spiel, das eure Fähigkeiten, euer kreatives Denken und eure Fähigkeit, selbst über Kontinente hinweg im Team zu arbeiten, getestet hat. Ihr seid super! Und für 2015… LOS ZERO ROBOTICS!

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L+53: Logbuch

Nach der unvorhergesehenen Aufregung am Mittwoch gingen wir Donnerstagmorgen wieder zur Normalität über. Relativ gesehen, da der externe Kühlkreislauf B noch immer heruntergefahren und drucklos war: Durch eventuelle Gasblasen nach den Ereignissen von Mittwoch war der Druckaufbau ein heikler Vorgang, für den die Bodenkontrolle einige Tage brauchen würde, um auf der sicheren Seite zu sein (Kreislauf B ist heute, Sonntag, wieder online).

Die Belüftung wurde diesen Morgen wiederhergestellt, weswegen das Camping zu Ende ging und wir wieder in unsere Besatzungsunterkünfte zurückkehren konnten. Allerdings ist die Kühlung in Node 2 auf Kreislauf B angewiesen, weswegen es für einige Nächte etwas wärmer werden würde (mir ist das ganz recht).

Wir hatten ebenso in Node 3, wo sich unser Laufband T2 befindet, keine Kühlung, weswegen wir unser tägliches Herz-Kreislauf-Training im Labor auf CEVIS, unserem Weltraumfahrrad, gemacht haben. Die anderen Modulen verfügten über Kühlung, da sie auf einen Einzelkreislauf umgestellt werden konnten: Die beiden internen Kühlkreisläufe wurden miteinander verbunden und ihre gemeinsame Abwärme durch den externen Kreislauf A, der von den Ereignissen am Tag vorher nicht betroffen war, abgeführt.

Wegen der Lage mit Kreislauf B hatten wir auch nicht alle Stromkanäle zur Verfügung, was ein paar Beeinträchtigungen verursachte, wenn auch keine dramatischen: im JEM und COL Modul brannte nur die Hälfte der Lichter und nur eines der zwei Kommunikationspaneele war verfügbar. Nichts, was hätte verhindern können, dass die wissenschaftlichen Experimente wieder Fahrt aufnehmen und bereits kurz nach unserer morgendlichen Planungskonferenz mit der Bodenkontrolle begannen Butch, Terry und ich mit unseren Experimenten und die Raumstation war wieder ein geschäftiges Labor!

Ich hatte die Aufgabe, das Labor der Fruchtfliegen aufzubauen. Ja, Dragon brachte uns lebendige Gesellschaft in Form von etwa hundert Fruchtfliegen, genauer gesagt Drosophila melanogaster. Tatsächlich haben wir inzwischen wahrscheinlich mehr davon: Das Ziel ist, mehrere Generationen zu beobachten und die kurze Lebenszeit der Fruchtfliegen ermöglicht uns das. Und da wir mit diesen kleinen Kerlen etwa 77% des Erbguts teilen, das bekanntermaßen für Krankheiten verantwortlich sind, sind sie ein überaus interessantes Tiermodell.

Die Fliegen kamen in Kassetten mit hoch, die ihr auf den Bildern sehen könnte. Als ich sie einzeln aus den Schaumstoffausschnitten ihrer Transportboxen herausnahm, war es schön zu sehen, dass sie noch am Leben und wohlauf waren. Soweit ich das sagen konnte, waren sie äußerst glückliche Astrofliegen im Weltraum!

Jede Kassette mit Fliegen war einer speziellen Plattform für Fütterung zugeordnet, in die ich frisches Futter einführen konnte, ohne die keimfreie Atmosphäre zu verletzen und aus der ich gleichzeitig Larven für die Konservierung in unserem MELFI Tiefkühler herausnehmen konnte. Nach der Fütterung platzierte ich die Kassetten in genau zugeordneten Stelle in einer der Nanorack Einheiten. Wie üblich bei Lebendexperimenten war die Hälfte der Kassetten in einer Zentrifuge gelagert, um die normale Schwerkraft der Erde zu simulieren, während die andere Hälfte an einem statischen Punkt gelagert war, also schwerelos.

Zusätzlich wurde jede Kassette mit einer Kameraeinheit ausgestattet, die das Verhalten der Fliegen beobachtet und einen künstlichen Tag/Nacht Zyklus ermöglicht.

Das war eine sehr zufriedenstellende Aufgabe, ich freue mich schon auf die nächste Fütterung!

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