Schlagwort-Archiv: samantha

L+129: Logbuch

Wie ihr sicher mitbekommen habt, habe ich im letzten Monat nicht allzu viel geschrieben – meine Abende flogen nur so dahin, verteilt auf den unwiderstehlichen Sog der Cupola, andere Projekte und viele kleine, persönliche Dinge, um die ich mich kümmern musste.
Tagsüber beschäftigt uns die Raumstation mit Wissenschaft, Wartung, Hausarbeit, Logistik und dem Aufrechterhalten der Fertigkeiten beim Reagieren in Notfallsituation, Robotik, Soyuz fliegen…alles Mögliche also. Die Vielzahl der Dinge, die wir hier oben tun ist beeindruckend, wenn ich mal innehalte und darüber nachdenke.

Übrigens hat uns außerdem Anfang diesen Monats eine Soyuz verlassen und die Hälfte unserer Raumstations-Bevölkerung mitgenommen. Also, zumindest in Bezug auf die menschliche Anwesenheit – Ich bin sicher, dass unsere Mikroorganismen hier oben, welche uns tausendfach in der Überzahl sind, die Raumstation für sich beanspruchen würden und sich nicht dafür interessieren, wenn drei zweifüßige Säugetiere durch drei andere ersetzt werden. Uns hingegen interessiert das durchaus.

Es war hart, Sasha, Butch und Elena abreisen zu sehen, nachdem wir uns für vier Monate so nah waren und wir waren ein kleines bisschen beunruhigt, als die Kommunikation mit ihrer Soyuz während der Düsenzündung abriss, was etwas unerwartet kam. Wir waren also froh, aus Moskau zu hören, dass die Bergungsteams Kontakt mit der Kapsel bekamen und umso erleichterter, die lachenden Gesichter unserer Freunde zu sehen, als sie ihre ersten Atemzüge frischer Luft in Kasachstan taten.

Falls ihr euch fragt, wir sahen sie auf NASA TV, wie viele von euch auch, vermute ich. Ich weiß nicht, ob ich es bereits erwähnte, aber wir können einen TV Sender live auf einem unserer Laptops empfangen, wenn wir Satellitenabdeckung für die Ku-Band Antennen haben.

Für zwei Wochen fühlte sich die Raumstation noch größer an als sonst schon mit Terry, Anton und mir als einzige (menschlichen) Einwohner. Nicht nur waren es hier weniger Leute, sondern wir bekamen natürlich auch nur die Hälfte der Arbeit erledigt, daher gab es weniger Kommunikation Weltraum-zu-Erde. Insgesamt war es sehr viel ruhiger. Und nun sind wir wieder zu sechst!

Scott, Gennady und Misha stießen letzte Woche zu uns und steuerten ihre Persönlichkeiten zum Mix hinzu für die neue Dynamik von Expedition 43. Es ist solch eine unschätzbare Gelegenheit, Teil von zwei Besatzungen zu sein: am Ende sind es die menschlichen Interaktionen, die unsere Erfahrungen hier oben ausmachen. Es ist also in einem gewissen Sinne, als wären es zwei Expeditionen, anstatt einer. Und wenn man solche tollen Besatzungskameraden hat, wie ich bei Expedition 42 hatte und nun bei Expedition 43 habe…naja, das Leben ist gut! Außerdem haben Terry und ich es einfach mit der Übergabe: Scott war vor erst vier Jahren bereits für sechs Monate hier oben, er braucht also nicht so viel Anleitung und Unterricht (und Geduld!), die wir am Anfang von Butch benötigten. Scott ist bereits mehr oder weniger autonom und hat uns bereits Ideen geben können, die unser Leben und Arbeiten verbesserten. Es ist immer gut, der Gleichung einen neuen Blickwinkel beizufügen.

Und hier sind wir nun, es ist bereits der 1. April und, bis auf weiteres, wird meine Soyuz am 14. May abdocken. Mit mir an Board, außer ich verstecke mich gut. Ich habe nur noch 42 Tage auf der ISS übrig, was natürlich eine coole Zahl ist, es ist aber auch nicht mehr viel Zeit. Wenn ich damit etwas traurig klinge liegt das daran, dass ich es bin.

Wie auch immer, mit so wenig übriger Zeit fühle ich mich verpflichtet, wieder zu regelmäßigen Logbucheinträgen überzugehen: es gibt noch immer so viel, was ich mit euch teilen möchte! Ich dachte, ich beginne damit, ein paar Bilder von Leben und Arbeit der letzten vier Monate zu teilen – für einen Einblick schaut in die Bildbeschreibungen.
Bis bald!

129_1Unsere Festmüllbehälter werden getauscht, sobald sie voll sind, üblicherweise alle 11-12 Tage. Um einfach feststellen zu können, wie lange sie halten, schreiben wir den Tag darauf. Auf der Wand des Toilettenabteils kann man die Urinröhren und Urinsammelbehälter sehen: wir saugen Urin von den Beuteln in die Röhren und verstauen diese dann im Tiefkühler. Wenn für jemanden von uns eine 24-Stunden Urinsammlung ansteht, wird das „Equipment“ üblicherweise so in der Toilettenkabine bereitgestellt.

129_2Dies ist einer unserer MELFI Tiefkühler, in denen wir unsere Proben wie Urin, Blut oder Speichel aufbewahren, unter anderem aber auch Kühlakkus, welche die Proben davor bewahren, auf dem Heimweg zu warm zu werden. Diese Schubladen werden üblicherweise bei ungefähr -90°C gehalten – Handschuhe sind Pflicht!

129_3Wir haben in Node 2 zwei Wartungs-Arbeitstische. Wenn sie nicht genutzt werden, können sie flach gegen an die Wand gedreht werden. Wenn wir Wartungsarbeiten an mobilem Equipment durchführen müssen – oder auch die Verarbeitung und Analyse von Wasserproben – ist dies ein praktischer Platz, um sich aufzubauen. Zu meiner Linken im Bild befinden sich vier Besatzungsabteile, meins ist im Deck.

129_4Relativ häufig müssen wir allerdings auch Wartungen und Prüfungen an Equipment durchführen, ohne es auszubauen. Dies ist zum Beispiel das OGS, unser Sauerstofferzeugungssystem (Oxygen Generation System). Es produziert durch die Elektrolyse von Wasser Sauerstoff und speist ihn direkt in die Kabine ein.

129_5Während Expedition 42 bekamen wir einen 3D Drucker hier hoch geschickt. Druckaufträge wurden vom Boden geschickt, wir mussten nur das gedruckte Objekt aus dem Drucker entfernen und die Ablage für den nächsten Lauf vorbereiten. Die Anlage, der Mikrogravitations-Wissenschafts-Handschuhkasten (Microgravity Science Glovebox – MSG) wurde zwischenzeitlich für andere Experimente genutzt. Für genauere Details müsst ihr allerdings Terry fragen, er ist unser MSG Experte.

129_6Manchmal braucht man keinen großen Handschuhkasten und eine portable Anlage ist ausreichen. Dieser Handschuhkasten ist, wenn nötig, einfach auf- und anschließend wieder abgebaut und verstaut.

129_7Die Gesundheit der Augen ist eine große Sache auf der Raumstation. Negative Effekte der Schwerelosigkeit auf die Augen wurden von vielen Besatzungsmitgliedern beobachtet und die Suche nach einer Erklärung läuft. Regelmäßiger Ultraschall der Augen ist Teil dieser Bemühungen. Ein anderes Besatzungsmitglied dient als Operator und ein Anleiter am Boden gibt basierend auf dem live übertragenen Ultraschallbild und einem Livebild des Versuchsobjekts Anweisungen. Farbig codierte Schaltflächen sind gut geeignet um Anweisungen an Leute wie uns weiterzugeben, die wenig Training und Erfahrung haben.

129_8Räumt die Kabine, wir installieren MARES! Diese Anlage wird die Untersuchung der Effekte von Schwerelosigkeit auf Muskeln untersuchen. Sie hatte anfangs einige Kinderkrankheiten, vor zwei Wochen aber hatten einen erfolgreichen Checkout. Es hat Spaß gemacht, „das Monster“, wie wir es liebevoll nennen, zusammenzubauen und Tests laufen zu lassen. Die größte Herausforderung aber war es, nach der Zerlegung alle Teile in nur einem Rack wieder zusammenzufügen. Jemand Lust auf Testris?

129_9Hin und wieder installieren wir Gerätschaften auf dem Gleit-Tisch der JEM Luftschleuse, sodass sie nach draußen gebracht werden können. Üblicherweise haben wir Minisatelliten in ihrem Auswurfsystem befestigt. In diesem Fall installiere ich die Roboter-Auftank-Mission, ein Technologieträger für das automatische Auftanken von Satelliten im Orbit. Viele empfindliche Bauteile müssen mit dem größtmöglichen Respekt behandelt werden! Übrigens, ganz rechts seht ihr einen Screenshot von WorldMap, unserer Erdbeobachtungssoftware. Sie zeigt uns unsere Flugbahn über der Erdoberfläche, Überflugvorhersagen und vieles mehr. Die vier grünen Kästen auf den anderen Laptops zeigen uns den Kommunikationsstatus unserer vier Weltraum-zu-Erde Kanäle im Up- und Downlink. Grün bedeutet gut, grau bedeutet einen Signalverlust. Diese Anzeige kann auf allen PCS Laptops angezeigt werden, welche an den Kontrollbus der Station angeschlossen sind und Telemetrie- und Kommandodaten zur Verfügung stellen. Da der Boden die meisten Kommandos über die Ferne ausführt, lassen wir fast alle PCs so stehen, mit dem Kommunikationsstatus in der maximierten Anzeige. Sie sind strategisch platziert, sodass überall auf der Station immer einer in Sichtweite ist, sodass wir jederzeit einfach prüfen können, ob wir Kommunikation zum Boden haben oder nicht.

129_10TripleLux B ist eine ESA Untersuchung, die den Effekt der Schwerelosigkeit auf Immunzellen untersucht, welche in der Biolab Anlage im Kolumbus Modul stattfindet. Biolab verursachte einige ungeplante Wartungsarbeiten (ein Rauchmelder tief im Bauch des Racks musste getauscht werden), aber glückerlicherweise war es wieder in Form, bevor die Zellkulturen verfallen waren. Die TripleLux B Operationen wurden gestern erfolgreich abgeschlossen. Als nächstes ist in Biolab TripleLux A an der Reihe, mit Zellkulturen, die bald mit SpX-6 ankommen.

129_11Um nach Hause zu fliegen, was viel zu bald sein wird, hatten Anton und ich kürzlich ein OBT (An-Board-Training / On-Board-Training) im manuellen Soyuz Abstieg. Genau wie im Simulator in Star City flogen wir manuelle Wiedereintrittsabläufe: wir mussten uns nur daran gewöhnen, Knöpfe auf der Laptoptastatur zu drücken, anstatt der echten großen Knöpfe des manuellen Abstiegs-Kontroll-Gerätes.

129_12Wir machten noch ein Gruppenfoto von Expedition 42, bevor Sasha, Elena und Butch abreisten. Unser Motto: Keine Panik und sei dir immer bewusst, wo dein Handtuch ist!

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/+SamanthaCristoforetti/posts/378dXm4N3M2

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+100 – L+101: Logbuch

Das Logbuch ist zurück!

Entschuldigt den langen Signalverlust, aber es war eine arbeitsreiche Zeit: Drei Weltraumspaziergänge in 8 Tagen können den Tag wirklich ausfüllen und ich hatte das Gefühl, dass ich mich zu 100% auf meine Aufgabe konzentrieren musste.

Mehrere Stunden Arbeit an Luftschleusen und zwei Besatzungskameraden sicher hinaus zu bringen – und das so schnell wie möglich – benötigen volle Aufmerksamkeit: Bei weitem das herausforderndste, was ich im Orbit bisher machen musste und, das erste Mal, definitiv etwas stressig.

Außeneinsätze sind meist sehr detailliert im Internet beschrieben, daher gehe ich davon aus, dass Ihr schon mehr wisst, als ich euch erzählen könnte. Und soweit es meinen Job als IV betrifft, falls ihr neugierig seid, könnt ihr euch ein paar Logbucheinträge vom Training anschauen über vorher-und-nachher Unterricht, in dem wir Arbeiten an den Luftschleusen und prä-Atem Protokolle trainieren. Schaut euch z.B. Logbuch L-70 an:

https://plus.google.com/+SamanthaCristoforetti/posts/HhCxe72awiq (Englisch)

Natürlich sind einige Dinge schwierig am Boden zu trainieren. Zum Beispiel die SAFERs, der „Raketenrucksack“ (jetpack), der an den Raumanzügen befestigt ist, um sich im Notfall des Loslösens von der Station selbst retten zu können: am Boden lernen wir, die Verschlüsse zu bedienen, mit denen sie am Anzug befestigt werden, aber im All ist es eine ganz anderen Angelegenheit, Anzug und SAFER zu handhaben. Schwere, klobige Dinge haben hier oben kein Gewicht, sie haben aber immer noch Masse, Stichwort Massenträgheit.

Jedenfalls ging alles gut, Butch und Terry machten draußen einen ausgezeichneten Job, Anton war eine kostbare Hilfe in der Luftschleuse und nun holen wir alle wieder Luft, während wir zu einer weniger hektischen Gangart übergehen.

Außerdem nähern wir uns schnell dem Ende von Expedition 42, was bedeutet, dass Butch, Sasha und Elena sich bereit machen für ihren feurigen Ritt zurück zum Planeten Erde nächste Woche.

Terry, Anton und ich werden für ein paar Wochen unter uns sein, bis Scott, Misha und Gennady Ende März zu uns stoßen.

Tatsächlich haben unsere bald abreisenden Besatzungskameraden gestern ihre Sokol Anzüge für einen prä-Wiedereintritts-Dichtigkeitscheck angezogen und ich beobachtete Elena und Sasha, wie sie an einem Simulator im Servicemodul den manuellen Wiedereintritt mit der Soyuz trainierten.

Außerdem machen wir Fracht für die Rückkehr bereit: heute habe ich z.B. Wasserproben von all unseren portablen Wasserabgabestationen genommen und sie für die Rückkehr an Board der Soyuz verstaut.

Die Vorbereitungen für die Ankunft der nächsten Besatzung haben ebenso begonnen. Gestern arbeitete ich an Fracht, die mit dem russischen Versorgungsschiff Progress kam, unter anderem Scotts Kleidung und Hygieneartikel.

Wir haben unsere kleine Weltraum-Garderobe in Node 2, in der Nähe unserer Schlafkabinen: jeder von uns hat einen großen, starren Beutel mit unserer persönlichen Kleidung, größtenteils verstaut in Reißverschlussbeuteln, welche jeweils 2 Wochen abdecken (wir nennen sie „Ziegelsteine“).

Butch, effizient wie immer, hatte seinen Beutel bereits geleert, also Scott…falls du das hier liest…deine Kleidung ist bereits schön hier oben in Node 2 sortiert! Ich bin nur nicht sicher, ob es genug für ein Jahr sind: ich wette, es kommt später noch mehr.

Übrigens, gestern war unser 100. Tag im All! Gut, genau genommen stimmt das nur für mich, da Terry und Anton bereits vorher im All waren, aber es war sicher unser 100. Gemeinsamer Tag im All. Etwas erschreckend, oder? Verglichen mit der Zeit, die wir bereits hinter uns haben, wirkt die, die wir noch vor uns haben, wenig – nur noch 2 Monate.

Natürlich gibt es Dinge auf der Erde, die mir fehlen – eine Dusche ist ziemlich weit oben auf der Liste – aber es wird wirklich hart werden, die Raumstation zu verlassen. In den letzten 100 Tagen ging es für mich gedanklich von unkontrollierbarer Begeisterung und kontinuierlicher Neuentdeckung über zu Vertrautheit und stiller Zuneigung gegenüber der Raumstation selbst, unserer Besatzung und den Teams am Boden, die über die ganze Welt verteilt sind und mit denen ich täglich interagiere. Es fühlt sich nach Heimat an und – nebenbei – eine Heimat, in der man schweben kann, bietet eine unschlagbare Aussicht aus dem Fenster!

100-101_1

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/112628950566484266163/posts/FwjrR3RoQNF

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+80 – L+82: Logbuch

Nach einem eng gesteckten Zeitplan am Wochenende, um Dragon für den Abflug und die Loslösung am Dienstag bereit zu machen, hatten wir am Mittwoch einen Tag frei. Hurra!

Ich bin eine Nachteule, also schlafe ich gern aus, wenn ich kann. Dienstagabend, bevor ich zu Bett ging, prüfte ich noch einmal den Zeitplan für Mittwoch um sicherzugehen, dass ich keinen Wecker stellen musste. Bestätigt! Also ließ ich Mittwochmorgen gegen 9:30 Uhr wie üblich die Arme aus meinem Schlafsack gleiten und checkte auf meinem Laptop den Zeitplan und die Tageszusammenfassung, eine Nachricht vom Boden mit Informationen über den Zustand der Raumstation und Fragen/Antworten/Nachrichten für die Besatzung. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich überrascht war, als ich für 7:30 Uhr morgens eine Aktivität auf dem Zeitplan sah. Wir konnte ich das am Abend zuvor übersehen haben? Und sollten wir nicht einen Tag frei haben? Und wie ernst war es, dass ich es noch nicht erledigt hatte? Aber unser Kommandant Butch ist immer schon um 5 Uhr auf, also hätte er mich nötigenfalls sicher geweckt, oder? Also, keine Panik, lasst uns sehen, worum es hier geht…

Nun, seht euch das Bild mit einem Schnappschuss der Aufgabe an. Ich lasse euch entscheiden: unsere Bodenkontrolle hat einen guten Sinn für Humor, oder? Wir verpassten die Lesung an diesem Tag und es tut mir leid, berichten zu müssen, dass ich an der angegebenen Position kein Per Anhalter durch die Galaxis finden konnte, aber wir machen das irgendwie wieder gut!

80-82_1

Donnerstag und Freitag gingen wir wieder zum normalen Zeitplan über. Ich war für Butch Anwender bei einigen Augenuntersuchungen als Bestandteil von „Ocular Health“, wofür er Versuchsperson ist: ich half ihm beim Ultraschall, bei der optischen Kohärenztomografie und Funduskopie, indem ich Bilder seiner Augen machte – und das auf mehr Art und Weisen, als ich mir vor dem ISS Training je hätte vorstellen können. Ich werde dieselben Untersuchungen nächste Woche haben, allerdings finden meine seltener als bei Butch und Terry statt, da sie bei mir nur medizinisch notwendig sind, die beiden hingegen dienen als Versuchsobjekte für diese auf der Augengesundheit fokussierten Forschung.
Anschließend mussten wir ATV für das Abdocken bereit machen.

Sasha und ich hatten am Donnerstag an Bord eine Trainingssitzung, in der wir all die den Abflug vorbereitenden Maßnahmen und unsere Kontrollaufgaben durchgingen. Am Freitag schlossen wir dann die Luken auf ATV- und ISS-Seite und…ihr habt es geahnt – ihr wisst ja, wie diese Dinge laufen – wir machten eine Dichtigkeitsprüfung.

Wir machten das Vestibulum zwischen den Luken drucklos und beobachteten dann für die nächsten 30 Minuten die Druckveränderung: Wäre der Druck gestiegen, hätte entweder die Luke von ATV oder die der ISS ein Leck und würde Luft ins Vestibulum lassen. Tatsächlich kümmerte sich die Bodenkontrolle in Moskau um die Druckabsenkung: die Vestibula auf der russischen Seite haben Ventile, welche vom Boden aus kontrolliert werden können, um Luft in den Weltraum abzulassen. Unsere Luken bestanden den Test mit Bravour: bis zu 0.001 bar Druckanstieg ist erlaubt, wir hatten nur eine Änderung von 0.0007 bar.

Das war’s, das letzte ATV war bereit zum Abdocken am nächsten Tag!

80-82_2

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/112628950566484266163/posts/cYqougmTWV7

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+76 – L+79: Logbuch

Heute war ein ziemlich historischer Tag hier auf der ISS: das letzte der Automated Transfer Vehicles der ESA, ATV-5 George Lernaitre, ist gerade abgeflogen und ist nun sicher von der Raumstation getrennt, auf dem Weg zu einem morgigen, destruktiven Wiedereintritt in die Atmosphäre. Es nimmt Tonnen an Abfall und ausrangierten Gegenständen mit und verschafft uns etwas Erleichterung in Bezug auf Stauraum.

Aber wir haben in einem späteren Logbucheintrag Zeit, über den Abflug von ATV und alle vorbereitenden Tätigkeiten zu sprechen, lasst uns ein paar Tage auf den Abflug eines anderen Raumfahrzeugs Anfang dieser Woche zurückblicken: Dragon! Letztes Wochenende war ziemlich arbeitsreich hier auf der Raumstation, während wir die letzten Dinge einluden. Ich schloss das „Epigenetics“ Experiment ab, indem ich die letzten Generation unserer C. Elegans Würmer für die Rückkehr zur Erde fixierte. Wissenschaftler am Boden sahen sich durch die Kamera die Kulturbeutel und befanden, dass die Würmer der Farbe nach zu urteilen gut gewachsen waren, also haben wir nun hoffentlich drei Generationen an im All geborenen C. Elegans auf der Erde.

Am Wochenende war es außerdem Zeit, einige Kühlspeicher in Dragon zu installieren, genannt Polar und Glacier: diese mobilen Kühlschränke fliegen hinauf und runter mit der Stromversorgung von Dragon, zwischen den Flügen sind sie aber in der Raumstation installiert. Sie zu bewegen ist recht zeitkritisch, da wir sie nicht länger als 30 Minuten stromlos haben wollen. Daher arbeiteten Terry und ich eine zeitlich abgestimmte Choreographie aus, die uns erlaubte, parallel zu arbeiten und die Zeit ohne Stromversorgung zu minimieren.

Zu guter Letzt gab es am Sonntagmorgen noch einen kurzfristigen Einschub in unseren Terminplan: Die Entfernung eines Gebläse-Pumpen-Abscheiders (fan-pump-separator – FPS) an einem EMU, dem Anzug für Außeneinsätze. In Logbucheintrag L+16, L+17 erzählte ich euch vom FPS, da Butch und ich im Dezember einen ersetzten. Unglücklicherweise hat der FPS eines weiteren Anzugs versagt. Wir haben aktuell keine Ersatzteile an Bord, es wurde aber entschieden, dass der kaputte ausgebaut und mit Dragon zur Analyse am Boden zurückkehren soll. Es war das zweite Mal und daher nicht so beängstigend wie beim ersten, trotzdem war es aber eine herausfordernde Aufgabe, all die schwer erreichbaren, nicht gesicherten Schrauben und Unterlegscheiben zu entfernen. Wir waren froh, als wir fertig waren und den Abscheider an Terry übergeben konnten, sodass er ihn für die Rückkehr ordentlich verpacken konnte.

Wo wir über packen sprechen, das war eine Hauptaufgabe am Montag. Am Morgen waren wir wieder mit Kühlspeichern beschäftigt, Terry und ich beluden sechs Kühlsäcke mit Proben aus unseren MELFI Gefrierschränken. Kühlsäcke haben eine dicke Isolierung, in Ihnen werden Proben zusammen mit Kühlakkus verstaut, um sie kalt zu halten, bis sie auf der Erde geborgen und wieder in richtige Gefrierschränke verlegt werden. Für jeden Kühlsack hatten wir Schaubilder, welche uns zeigten, wie wir sie genau verpacken sollten und, in einigen Fällen, sogar in welcher Ausrichtung.

Unglücklicherweise ist dies eins der Dinge, die mit der Hilfe von Schwerkraft deutlich besser funktionieren, da es hier oben nichts gibt, das all die Gegenstände dort festhält, wo man sie platziert hat, bevor der Sack geschlossen ist und der Deckel alles fixiert. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist das Packen von Kühlsäcken eine Angelegenheit für den letzten Moment: wir packten sie am Montagmorgen und Montagnachmittag schlossen wir Dragons Luke. Terry und Butch installierten anschließend die Steuereinheiten für die Motoren, die die Bolzen bewegen, welche Dragon an der ISS befestigen. Währenddessen unternahm ich einen Ausflug zum ATV, um die Kamera zu installieren, welche den Aufbruch von ATV morgen von innen filmen wird!

Dienstag war dann der Tag der Freisetzung. Nach einer erfolgreichen Dichtungsprüfung der Luken, mit der wir sicher gingen, dass weder Dragon noch die ISS nach der Trennung lecken würden, drehte Butch die Bolzen heraus, wodurch sich Dragon von uns löste und anschließend begannen Kontrollmitarbeiter am Boden den Roboterarm zu steuern, um Dragon zur Position für die Freisetzung zu bewegen.

Am frühen Abend waren Terry und ich an der Roboter-Arbeitsstation in der Cupola bereit, die Freisetzung durchzuführen und Dragon auf den Weg nach Hause zu schicken. Zum Zeitpunkt der Freisetzung löste ich die Verbindung und bewegte den Arm auf eine sichere Distanz von etwa 4,5m zurück. An dem Punkt schickte Terry das Abflugkommando und Dragon führte seine erste Zündung durch, eine langsame, aber deutlich sichtbare Loslösung von der ISS auslösend. Es ist seltsam, Dragon gehen zu sehen, nachdem wir hier in Node 2 für mehrere Wochen Nachbarn waren. Aber hey, wir kriegen bald ein neues!

76-79

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/112628950566484266163/posts/QaTdZWbfKCA

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+74 – L+75: Logbuch

Gestern haben wir Dragon zurück nach Hause geschickt! Ich werde euch in den nächsten Tagen mehr darüber erzählen, aber fürs Erste kann ich sagen: Auf die letzten Wochen seit Dragons Ankunft zurückblickend ist es sehr zufriedenstellen, über all die erledigte Arbeit nachzudenken, von den Experimenten über das Be- und Entladen bis zur Verlegung von kalten Proben aus den Kühl- und Gefrierschränken in Kühlbeutel für die Rückkehr. Es ist allerdings auch schön, heute mal durchatmen zu können: da wir das ganze Wochenende hart arbeiten mussten, haben wir diesen Mittwoch frei. Eine nette Überraschung!

Aber lasst uns noch einmal auf letzte Woche zurückkommen und auf die Aussetzung von etwas sehr viel kleinerem an einem etwas kleineren Roboterarm: ein kleiner Cubesat in den Dimensionen 10cm x 10cm x 10cm, ausgesetzt vom japanischen Arm am Freitag. Ziemlich cool anzuschauen!

Es wurden an den Tagen vor der Aussetzung einige Vorbereitungen getroffen, in enger Zusammenarbeit mit dem JEM Kontrollzentrum in Tsukuba, Japan. Wir ihr euch vielleicht erinnern könnt, wenn ihr das Logbuch gelesen habt, hat das JEM Modul seine eigene Luftschleuse: wir können eine Luke nach innen öffnen und einen Tisch in die Kabine fahren. In der Woche vor der Aussetzung installierte Butch auf diesem Tisch das Aussetzsystem zusammen mit dem Cubesat darin. Am Donnerstag letzter Woche machte ich die Luftschleuse drucklos. Übrigens hat die japanische Luftschleuse, wie die große für die Außeneinsätze auch, Vorrichtungen, den Großteil der Luft in die Raumstation zurückzugewinnen – nur das letzte bisschen Luft, wenn der Druck in der Luftschleuse zu gering wird (ungefähr 0.14 bar), muss in den Weltraum abgelassen werden. Sobald die Schleuse auf Vakuum-Level war, öffnete ich die äußere Luke zum Weltraum und ließ den Tisch mit dem Satelliten und dem Aussetzsystem hinausgleiten. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen die Kollegen in Tsukuba die Kontrolle und griffen das Aussetzsystem mit dem japanischen Roboterarm und, nachdem sie es fest im Griff hatten, bekam ich das Go, es vom Tisch loszulösen, sodass der Arm volle Kontrolle darüber hatte und es in die Aussetzposition bewegen konnte. Meine nächste Aufgabe war es, Bilder vom Aussetzen zu machen und ich muss sagen, dass mich das etwas nervös machte: Man bekommt nur eine Chance, den richtigen Moment zu treffen und der Satellit bewegt sich schnell fort, sobald er ausgesetzt ist! Das wollte ich wirklich nicht vermasseln, ich kann mir die Enttäuschung der Studenten, die den Cubesat entwickelten und davon keine Bilder hätten, kaum vorstellen.

74-75

Wo ich gerade über Studenten spreche, am Mittwoch hatte ich außerdem die Möglichkeit, über Amateurfunk mit einer Gruppe Schüler der Schulen „Locatelli-Oriani“ und „Bachelet“ aus der Gegend um Mailand zu sprechen: danke für euren tollen Fragen und eure harte Arbeit während der Vorbereitung hierfür!

Am Freitag verbrachte ich einige Zeit in unserer Luftschleuse mit der Arbeit an den EMU Anzügen für die Außeneinsätze. Ich arbeitete an den Kühlwasserkreisläufen beider Anzüge, die bei den für Terry und Butch geplanten Außeneinsätzen genutzt werden und reinigte das Wasser mit verschiedenen Arten von Filtern und durch das Hinzufügen von Jod zur mikrobiellen Überwachung. Anschließend nahm ich Wasserproben, die mit Dragon zur Kontrolle am Boden zurückkehrten. Die Reinigung des Kühlkreislaufs kann auch dazu genutzt werden, Checks an den Anzügen zu durchzuführen und Telemetriedaten zur Bodenkontrolle zu schicken, daher wurden beide Anzüge an einen Laptop angeschlossen, auf dem eine Software zur Datenerfassung lief.

Am Freitag konnte ich übrigens auch mit der Kontrollstation in Moskau sprechen, wozu wir nicht-russischen Besatzungsmitglieder nicht oft die Möglichkeit kriegen. Während wir uns auf das Abdocken von ATV am Samstag vorbereiten, führte ich eine Prüfungsprozedur für das ATV Fernsteuerungspanel durch, welches wir im russischen Servicemodul haben werden, wenn ATV abreist. Wir werden nur im Falle von nicht-normalen Situationen Kommandos an ATV senden müssen. Daher gehe ich davon aus, dass wir das Kontrollpanel nicht wirklich brauchen, aber wir werden trotzdem bereit sein!

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/112628950566484266163/posts/8NztKa8SKPV

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+72 – L+73: Logbuch

Heute ist Samstag und wow, das war eine arbeitsreiche Woche! Und leider gab es nicht besonders viel Zeit, euch über unsere Arbeit und das Leben hier oben auf dem Laufenden zu halten. Aber wir können ein bisschen was nachholen, also lasst uns sehen, was diese Woche auf der ISS passiert ist.

Am Dienstag habe ich etwas getan, was wir nicht gerade jeden Tag machen: ich habe einen Teil der Raumstation bis zum Vakuum drucklos gemacht. Allerdings keine Luftschleuse, die sind ja genau dafür gedacht.

Ein Vestibulum (vestibule): das ist der kleine Raum, der entsteht, wenn zwei Module der ISS zusammengefügt werden. Wie wenn ihr bei euch zuhause nicht nur eine Tür zwischen zwei Räumen hättet, sondern zwei, die zwischen sich einen kleinen Raum schaffen, wenn beide Türen geschlossen sind. Auf der ISS nennen wir diesen Raum zwischen den Luken „Vestibulum“ (vestibule). Stellt euch vor, ihr wolltet sichergehen, dass beide Luken dicht sind – die beste Methode dafür ist, das Vestibulum dazwischen drucklos zu machen. Wenn Luft hinein kommt und damit der Druck ansteigt, dann hat eine Lukendichtung ein Leck. So funktioniert es: man verbindet das Vestibulum mit einem Anschlusspunkt zum Vakuum und lässt all die Luft von Bord, anschließend misst man den Restdruck, welcher sehr nahe 0 sein wird (in meinem Fall ca. 3mm Hg), wartet 24 Stunden und prüft den Druck nochmals. Natürlich gibt es keine perfekte Dichtung, ein kleine Undichtigkeit wird es immer geben.

Im Fall des Vestibulums ist es laut Prozedur eine positive Dichtigkeitsprüfung, wenn die Drucksteigerung darin nach 24 Stunden weniger als 5mm Hg ausmacht.
Ich wette, ihr wundert euch bereits, welche Luken wir geprüft haben und warum? Nun, vielleicht habt ihr es schon gehört, aber wir werden auf der Raumstation bald ein paar Umbauten durchführen. Zeit, die Raumverteilung etwas aufzufrischen! Unser PMM Modul, welches aktuell an Node 1 nadir angeschlossen ist, wird nach Node 3 umziehen und der Node 1 nadir Anschluss bekommt eine luxuriöse Aufrüstung, wodurch er dazu in der Lage sein wird, besuchende Raumfahrtzeuge aufzunehmen. Wir führten die Dichtigkeitsprüfung also zwischen PMM und Node 1 durch um sicherzugehen, dass diese Luken nicht lecken, da sie dem Vakuum ausgesetzt sein werden, wenn wir im Laufe des Jahres die Umbauten durchführen. Zusätzlich installierten Terry und ich vor der Dichtigkeitsprüfung eine Durchführung: hiermit ist es möglich, eine Kabelverbindung durch ein Loch in der Druckhülle herzustellen. Man schließt das Kabel an einer Seite an, sagen wir innen, und steckt nun die Weiterführung an der anderen Seite der Durchführung an, sagen wir außen. Die Durchführung wird in ein Loch eingeführt und hat Dichtungen um sicherzugehen, dass keine Luft nach außen leckt.

72-73

Ihr werdet froh sein zu hören, dass die Dichtigkeitsprüfung bestanden wurde, beide Luken und die neu installierte Durchführung sind also dicht. Gute Neuigkeiten, was? Was ihr übrigens im Bild seht, ist der lange Schlauch, mit dem wir das Vestibulum mit dem Vakuum verbinden: er musste den ganzen Weg durch das Labor zum Anschlusspunkt zum Vakuum reichen. Vielleicht ist es nur bei mir so, aber etwas an das Vakuum anzuschließen erfordert definitiv Vorsicht: es ist nicht besonders kompliziert, das Vestibulum drucklos zu machen, trotzdem habe ich alles doppelt und dreifach geprüft, bevor ich das Ausgleichsventil öffnete, das die Atmosphäre darin ins Weltall entleert. Tatsächlich hatte ich sogar kurz das Gefühl, dass meine Ohren knacken würden, was ein Zeichen für einen Druckverlust in der Kabine gewesen wäre, allerdings waren die Druckanzeigen stabil. Es war wohl also eher das Rauschen des Ventils, das meinem Trommelfell einen Streich gespielt hat.

Mittwoch war einer der Raumstation-in-Schuss-halten-Tage für mich. Neben dem Aufräumen des Aufbaus für die Dichtigkeitsprüfung habe ich z.B. an einer regelmäßigen Umweltüberprüfung gearbeitet, die unser Trinkwasser auf Kolibakterien und anderes Keimwachstum in den Trinkwasserleitungen nach 48 Stunden Inkubationszeit prüft. Zum Glück konnte ich keine Mikrobenkolonien im Erfassungsgerät und keine magentafarbene Verfärbung auf dem Erkennungsstreifen feststellen, also ein negatives Ergebnis. Es ist immer gut, die Bestätigung zu haben, dass unser Trinkwasser sauber ist!

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/112628950566484266163/posts/GziPBxjWs7q

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+68 – L+71: Logbuch

Nun, da sind wir. Bereits zehn Wochen sind vergangen: ich weiß nicht was hier oben los ist, aber die Zeit vergeht viel zu schnell!
Am Freitag hatte ich eine weitere Verabredung mit unseren Weltraumwürmen, den C. Elegans, als ich die Woche mit einer Sitzung des Epigenetics-Experiments abschloss. Ich trennte wieder die Babywürmer von den Erwachsenen, wie ich im letzten Logbucheintrag beschrieb, also wächst nun die dritte Generation im Brutkasten heran. Die eine Hälfte schwerelos, die andere Hälfte in der 1G Zentrifuge.

Ich kümmerte mich am Freitag außerdem um das interne Kühlsystem des Kolumbus Moduls. Wie ihr wisst, nutzen wir Wasser, um Wärme von Ausrüstung (durch Kühlplatten) und aus der Kabine (durch die Klimaanlage) abzuführen und in regelmäßigen Abständen muss dem Wasser die antimikrobielle Substanz OPA zugesetzt werden, um zu verhindern, dass sich Mikroorganismen in den Leitungen bilden. Tatsächlich erledigte Terry die meiste Arbeit bereits letzte Woche – ich hatte am Freitag nur die Aufgabe, Wasserproben zu nehmen, nachdem das OPA hinzugefügt wurde. Das Wasser wird zur Erde zurückkehren und wird am Boden daraufhin untersucht, dass die gewünschte OPA Konzentration vorliegt.

Sonntags schlafe ich üblicherweise aus – ich bin eine Nachteule, keine Frühaufsteherin – diesmal war ich für eine ganz besondere Aufgabe allerdings schon um 08:00 Uhr wach. Ich sprach für etwa 10 Minuten über Amateurfunk mit italienischen Schülern: die Schüler des Instituts „G. Bearzi“ in Udine (hallo!) und eine ganz besondere Gruppe von jungen Männern und Frauen aus der ganzen Welt, die gerade ihren Schüleraustausch an italienischen Schulen beginnen, all das dank der non-Profit Organisation Intercultura, oder – international – AFS. Ich war selbst Intercultura-AFS Austauschschülerin und verbrachte ein Jahr an einer Schule in den USA, während mein Besatzungskamerad Terry einen Sommer in Finnland war! Und an alle Austauschschüler, die dies lesen: Ich bin stolz auf euch, ich hoffe, ihr genießt euer Abenteuer, dass ihr auch in schwierigen Zeiten (sie werden kommen) immer euer Lächeln behaltet und dass ihr anerkennt, dass dies ein großes Geschenk ist und eine Verantwortung mit sich bringt. Und ich bin den Familien, die all das möglich machen und einen Austauschschüler aufnehmen, extrem dankbar: vielen Dank für eure Großzügigkeit, ihr seid super!

Ok, zurück zum Boden der Tatsachen: Urin. Ich weiß, nicht besonders glamourös, aber größtenteils um ihn drehten sich am Montag meine Gedanken und Arbeiten. Da ATV5 uns bald verlässt, standen einige Salzwasser-Transfers in die ATV Flüssigkeitstanks auf dem Programm, die zwischenzeitlich von Wasser entleert waren. Wie ihr euch vielleicht erinnert, ist Salzwasser der Überrest von recyceltem Urin und dessen letztes Abfallprodukt. Es ins ATV zu verlegen erledigt die Aufgabe, es zu beseitigen und gleichzeitig hilft uns dies bei den Problemen mit der Masseverteilung und dem Schwerpunkt, von dem ich im letzten Logbucheintrag sprach.

Im Bild ersetze ich einen Recycling-Tank voller Salzwasser mit einem leeren. Ein ganz schönes Monstrum, was?

68-71_1

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/+SamanthaCristoforetti/posts/XkMstXXqYdG

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+66, L+67: Logbuch

Im letzten Logbucheintrag erwähnte ich, dass die ISS in den letzten Tagen ein vielbeschäftigtes Labor ist, in dem simultan Experimente in verschiedensten Bereichen durchgeführt werden. Gleichzeitig ist sie auch ein Weltraumbahnhof, in dem Schiffe voll mit Gütern kommen und gehen. Aktuell haben wir 2 Fahrzeuge hier, Dragon und ATV, welche uns in den nächsten zwei Wochen verlassen und für den Abflug und Wiedereintritt vorbereitet werden müssen. Daher habe ich meinen virtuellen Laborkittel für die nächsten paar Tage (größtenteils) abgelegt, die Ärmel hochgekrempelt und bin im Fracht-verpacken-und-verladen-Modus.

Ein Raumfahrzeug für den Wiedereintritt in die Atmosphäre zu beladen ist ein heikler Prozess: das Gesamtgewicht und wie das Gewicht verteilt ist (und demzufolge der Schwerpunkt) müssen genau bekannt sein, um die Zündungen der Düsen für die gewünschte Wiedereintrittsflugbahn genau berechnen zu können. Das ist besonders wichtig für ein Raumfahrzeug wie Dragon, das auf der Erde geborgen werden soll, ebenso aber auch für ATV5, da dieses in der Anfangsphase einen besonders kontrollierten Wiedereintritt durchführen wird, um Daten für das kontrollierte Absenken und Abstürzen der Umlaufbahn der Raumstation zu sammeln (wenn die Zeit gekommen ist, das ist nicht sehr bald).

Wie ihr vielleicht wisst, wird ATV in der Atmosphäre zerstört, also beladen wir es mit Müll: Abfall, Verpackungsmaterial, alte Kleidung und ausrangierte Dinge. Und wir beladen es bis zum Maximum, da die Logistik an Bord durch den Verlust der Orbital 3 Mission im Oktober eine Herausforderung wurde: wir haben einen Haufen „Kram“ (hochtechnischer Weltraum-Begriff), der schon lange fort sein sollte! Ebenfalls aus diesem Grund beladen wir sogar Dragon mit einer begrenzten Menge an Müll, obwohl das Fahrzeug am Boden (oder genauer gesagt im Meer) intakt geborgen wird und daher seine Hauptaufgabe das Zurückbringen von Fracht ist.

Aber wie funktioniert das alles, dass die Massenverteilung so genau sein muss? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht ganz genau. Es finden einige Planungs- und Koordinierungswunder am Boden statt und wir bekommen als Ergebnis daraus zwei Dinge: eine Frachtliste, die alle Beutel, ihren Inhalt, wo sie sich befinden, wo sie hin gehören und spezielle Packanweisungen auflistet und eine Info darüber, in welcher Reihenfolge gepackt werden muss und ebenfalls spezielle Anweisungen, wie z.B. Bilder zu machen, eine Seriennummer aufzuschreiben oder ein Teil in einer bestimmten Richtung zu verpacken. Falls in den Beuteln noch Platz ist, füllen wir diesen mit Füllschaum auf, in dem Frachtgut beim Start verpackt war und mit Reißverschlussbeuteln, gefüllt mit alter Kleidung. Und mit Glück passen sie in ihren vorbestimmten Stauraum – welcher natürlich auch einen Ortungscode hat, sodass wir genau wissen, welcher Beutel wo hin gehört.

Am Mittwoch, während wir mit der Planung beschäftigt waren, drehte die Flugkontrolle die Raumstation um 180 Grad – anstatt, wie üblich, Node 2 zeigt nun das russische Servicemodul nach vorn. Ich bekam davon überhaupt nichts mit – ich hatte es sogar vergessen. Bei einem Blick aus der Cupola hätte ich es natürlich sofort erkannt, das war allerdings nicht möglich, da die Klappen wegen der Manöver den ganzen Tag geschlossen bleiben mussten. Hier habe ich auch eine neue psychologische Störung für euch: Cupola-Entzugssyndrom!

127B0943

Aber warum flogen wir am Mittwoch „rückwärts“? Nun, wir mussten die Düsen von ATV nach vorne drehen, sodass sie gezündet werden konnten, um die Station etwas abzubremsen – genug, um das Apogäum (den hohen Punkt des Orbits) ein paar Kilometer abzusenken. Üblicherweise nutzen wir das ATV genau für das Gegenteil – um den Orbit mit einem sogenannten Reboost regelmäßig anzuheben. Diesmal jedoch war ein „Deboost“ nötig, um unseren Orbit für das nächste Progress Raumfahrzeug genau richtig zu kriegen.

Der „Deboost“ dauerte ungefähr 4 Minuten: Ich schwebte noch im US Labor und ließ mich zum anderen Ende des Moduls treiben, während ATV die Raumstation um mich herum drückte. Sowas macht Spaß!

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/+SamanthaCristoforetti/posts/HPvQrb2arcq

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+59 – L+65: Logbuch

Die letzte Woche waren meine Tage gefüllt mit Experimenten – sorry, dass ich euch nicht gut auf dem Laufenden gehalten habe, aber wir haben wirklich viel zu tun hier oben auf dem Außenposten der Menschheit im Weltraum!

Einige Experimente waren alte Bekannte, wie „Circadian Rhythms“ und einige neu, wie z.B. ESAs „Airway Monitoring“. Über letzteres sprach ich recht ausführlich in meinen Logbucheinträgen während der Trainings, wie z.B. in L-129.

https://plus.google.com/+SamanthaCristoforetti/posts/MtNoDoiRMfZ

Nach einigen Problemen mit den Geräten (welche recht komplex sind und zum Teil das erste Mal an Bord genutzt werden) bekamen Terry und ich alle benötigten Daten für die Sitzung mit „normalem“ Druck: in einigen Wochen führen wir die Messung mit reduziertem Druck durch, wofür wir uns in der Luftschleuse einschließen und den Luftdruck um uns herum absenken werden.
Ich glaube, dass es nicht viele Labortechniker auf dem Planeten gibt, welche in einem so breit gefächerten, wissenschaftlichen Spektrum arbeiten können, wie wir: Ich vermute, dass alle Laboratorien auf der Erde sehr viel spezialisierter und Wissenschaftler und Techniker auf einen spezifischen Bereich trainiert sind. Wir hingegen haben keine speziellen Fähigkeiten und keine großen Erfahrungen in den wissenschaftlichen Dingen, die wir tun: teilweise hatten wir vor vielen Monaten eine Übung, teilweise kriegen wir Trainings an Bord, wie z.B. Videos oder Folien.

Natürlich haben einige Astronauten einen Hintergrund in experimenteller Wissenschaft, aber das ist nicht die Mehrheit: die meisten von uns verlassen sich auf sehr detaillierte Verfahrensanweisungen und, bei den sehr komplexen Aufgaben, auf Echtzeit-Unterstützung durch die Entwickler und/oder Forscher der Experimente von der Bodenkontrolle. Manchmal sprechen sie nur über die regulären Kommunikationsmitarbeiter, die gerade Dienst haben, mit uns, wie z.B. von Eurocom für ESA Aufgaben, während sie manchmal direkt über eine All-zu-Boden-Verbindung mit uns kommunizieren, die nur sie nutzen.

Mein eigener wissenschaftlicher Hintergrund ist begrenzt – was man eben bei einem Ingenieursabschluss so mitbekommt. Und hätte ich eine wissenschaftliche Ausbildung anstatt einer im Ingenieurwesen gewählt, wäre es Physik gewesen. Selbst dann hätte ich also kaum eine Gelegenheit gehabt, mit Zellkulturen und Mehrgenerationen-Experimenten mit Fruchtfligen und Würmern zu arbeiten. Ich bin auch nicht sicher, ob ich für einen Vollzeit Job dafür geeignet wäre – man braucht vermutlich mehr Geduld, als ich habe – aber trotzdem habe ich viel Spaß an diesen Experimenten hier auf der ISS!

Montag zum Beispiel konnte ich wieder am Projekt „Epigenetics“ arbeiten. Meine kleinen Freunde sind in dem Fall nicht Fruchtfliegen, sondern andere Tiere, die üblicherweise in der Forschung als Modell für größere Organismen genutzt werden: ein 1mm langer Wurm namens Caenorhabditis Elegans, unter Freunden C. Elegans. Und genauso, wie mit den Fruchtfliegen, möchten wir, dass sie Babys bekommen: ganze vier Generationen werden an Bord heranwachsen und Exemplare jeder Generation (Erwachsene und Larven) werden für die Rückkehr im Tiefkühlschrank konserviert.

59-65_1

Dragon brachte die C. Elegans in Starterspritzen mit nach oben und ich injizierte sie letzte Woche in Verschlussbeutel, um das Ausbrüten zu beginnen. Am Montag entnahm ich dann die Babys mithilfe einer speziellen Spritze mit einem Filter, der die größeren, erwachsenen Würmer nicht durchließ. Die erste Generation Erwachsener verblieb im originalen Verschlussbeutel und wurde eingefroren, während ich die zweite Generation Babys in einem anderen Beutel platzierte, um sie weiter ausbrüten zu lassen. Der Zweck des Experiment ist es, wie der Name schon sagt, vererbte epigenetische Veränderungen zu untersuchen: also Änderungen in der Genexpression, nicht aber der DNA selbst.
Anders gesagt: die Umwelt kann nicht die Gene in der DNA verändern, aber sie kann Auswirkungen darauf haben, wie Gene sich äußern oder „aktiviert“ werden. Die Würmer passen sich an die Schwerelosigkeit an und verändern ihre Genexpression, die Frage ist also: Wann und, wenn ja wie, wirken sich diese Veränderungen auf ihren Nachwuchs aus?

Faszinierend, oder?

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/112628950566484266163/posts/SujB8GQp6dK

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA

L+57, L+58: Logbuch

L+57, L+58: Logbuch

Diese Woche war eine, in der das Thema der Experimente…ich war.
Die menschliche Physiologie war auf meinem wissenschaftlichen Zeitplan definitiv sehr präsent, angefangen bereits am Wochenende, als ich während des Schlafs Daten gesammelt habe! Dragon brachte mir eine ganz besondere Nachtgarderobe: eine Weste für das Experiment „tragbare Überwachung“ (Wearable Monitoring), welche ich zwei Nächte in Folge tragen musste, um erste Daten zu erfassen. Die Weste wurde speziell für mich angepasst und sitzt recht eng, da sie Instrumente eingebaut hat, die Kontakt zu meinem Körper brauchen: Elektroden für ein „klassisches“ Elektrokardiogramm und einen 3-Achsen-Beschleunigungsmesser, der die Mechaniken des Herzens überwacht, vor allem das Öffnen und Schließen der Herzklappen. Die Hypothese, die hier untersucht werden soll, ist die, dass kleine Veränderungen in den Herzfunktionen Mikro-Erwachen auslösen können, welche die Schlafqualität auf der ISS beeinflussen. Allerdings muss ich, natürlich von einem völlig subjektiven und nicht quantitativen Standpunkt aus gesehen, sagen, dass ich hier oben sehr gut schlafe!

Früh am Montagmorgen war es Zeit für meine erste Sitzung Gehirnablauf (Brain Drain). Wir hatten zu Beginn der Mission zwar bereits einen Ultraschall, doch für diese bestimmte Art der Messungen mussten wir, nach dem Verlust der Orbital-3-Mission, auf Ersatzgeräte von Dragon warten. Als Instrumente für Brain Drain werden unter anderem drei Dehnmessstreifen für die Plethysmografie gebraucht, welche aussehen wie ein Halsband aus dehnbarem Material, wie auf dem ersten Bild zu sehen. Tatsächlich sind es Sensoren, welche den Blutfluss der Venen auf eine nichtinvasive Art messen, die nicht von den Fähigkeiten des Anwenders abhängig ist, wie zum Beispiel beim Ultraschall. Während ich die Bänder am Hals, Arm und Bein angelegt hatte, machte ich mehrere Atmungen mit 70% meines Lungenvolumens, jeweils ohne Aktivität und mit Anspannen und Drehen der Hand oder des Fußes. Währenddessen atmete ich in unseren Lungenfunktionsprüfer und die Software zeigte mir, über eine grafische Oberfläche, wann ich ein- oder ausatmen sollte. Das Ziel des Experiments ist herauszufinden, wie sich der Rückfluss des Blutes aus dem Kopf ins Herz im Weltraum verändert, da wir hier keine helfenden Auswirkungen der Gravitation haben. Wir wissen darüber noch wenig und ein besseres Verständnis dieser Mechanismen der Zirkulation könnte möglicherweise dabei helfen, degenerative Hirnkrankheiten besser zu verstehen.

57-58_1

Nach dem Gehirnablauf-Experiment ging es weiter mit dem zweiten Herz-Sauerstoff-Experiment während der Mission, welches Ultraschallbilder der Hals- und Oberarmarterien und Doppler-Messungen des Blutflusses macht. Und um den Physiologie-Tag abzuschließen, habe ich außerdem Daten für das Skin-B-Experiment gesammelt, von dem ich euch bereits erzählte. Da viele dieser Experimente miteinander vergleichbare Probensammlungen brauchen, habe ich am Dienstag eine 24-stündige Urinprobensammlung gemacht und „Terry, der Vampir“ (ein guter Freund von „Terry mit den Scherenhänden“, dem Friseur) nahm mir Blut ab.

Aber wie ihr wisst, haben wir nicht nur Menschen auf der ISS! Moment, freut euch nicht zu früh, mir ist weder etwas von Aliens als blinde Passiere bekannt noch von Ufos ,die bewaffnete Luftraumüberwachung fliegen – wir haben aber natürlich unsere lieben Fruchtfliegen an Bord. Einige der Kassetten mit Fliegen und Larven sind inzwischen im Tiefkühlschrank gelandet, aber ich habe weitere Kassetten in die Zentrifuge gelegt und ihre feste Position ihrer jeweils zugeordneten Anlage und das Mehrgenerationen-Projekt geht weiter. Für einige der Arbeiten zur Fixierung habe ich einen Einweg-Handschuhkasten gebaut und genutzt, den ihr im zweiten Bild sehen könnte. Ich wusste nicht mal, dass wir die an Bord haben, die Raumstation ist immer wieder für Überraschungen gut!

57-58_2

Originaler Logbucheintrag bei Google+
https://plus.google.com/u/0/+SamanthaCristoforetti/posts/i3QRgYGo76Q

(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
http://www.astronautinews.it/tag/logbook

(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
https://spacetux.org/cpamoa/category/traductions/logbook-samantha

(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
http://laesteladegagarin.blogspot.com.es/search/label/SamLogBook

Alle Bilder © ESA/NASA