{"id":174,"date":"2015-04-06T12:11:50","date_gmt":"2015-04-06T10:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.logbuch-iss.de\/?p=174"},"modified":"2026-03-16T18:01:51","modified_gmt":"2026-03-16T18:01:51","slug":"l131-l132-pflanzen-im-weltall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.logbuch-iss.de\/?p=174","title":{"rendered":"L+131 &#8211; L+132: Pflanzen im Weltall"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war ein relativ ruhiger Tag, was am Ende der Woche immer nett ist. Nicht, dass ich nicht einen vollen Kalender gehabt h\u00e4tte &#8211; wir haben immer zu tun von unserer morgendlichen Tagesplanungskonferenz (DPC &#8211; Daily Planning Conference) gegen 7:30 Uhr bis zur abendlichen DPC gegen 19:30 Uhr. Allerdings k\u00f6nnen die Aufgaben mal mehr, mal weniger komplex sein und mehr oder weniger Routine beinhalten.<\/p>\n<p>Ein neues Experiment durchzuf\u00fchren, welches einen komplizierten Aufbau, viel Koordination mit dem Boden oder filigrane T\u00e4tigkeiten erfordert ist nat\u00fcrlich sehr viel anspruchsvoller als eine Aufgabe, die ich schon einmal ausgef\u00fchrt habe und die ich autonom durchf\u00fchren kann, wie z.B. Wasserproben zu nehmen oder Spinde in unseren Express Racks ein- oder auszubauen. Dies sind modulare Racks, die eine breite Anzahl an wissenschaftlichen Arbeiten unterst\u00fctzen und kontinuierlich umgebaut werden, abh\u00e4ngig von aktuellen oder kommenden Arbeiten.<\/p>\n<p>Einfache oder routinierte Aufgaben, die nicht viel Unterst\u00fctzung von den Kontrollzentren erfordern sind in unserem Zeitplan als \u201epinke Aktivit\u00e4ten\u201c hinterlegt &#8211; die Schrift in unserer Planungs\u00fcbersicht ist pink, was bedeutet, dass wir sie durchf\u00fchren k\u00f6nnen, wann immer wir wollen, solange sie am Ende des Tages getan sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr nicht-pinke Aktivit\u00e4ten hingegen wird erwartet, dass sie mehr oder weniger zeitnah erledigt werden. Einige Aufgaben haben sogar eine blaue Box &#8211; ein dicker Rahmen um die Aktivit\u00e4t zeigt an, dass sie genau zur geforderten Zeit ausgef\u00fchrt wird. Typische blaue-Box-Aktivit\u00e4ten sind live Interviews mit den Medien oder \u00f6ffentliche Gespr\u00e4che mit VIPs, welche am Boden einen komplexen Aufbau erfordern, um zur vereinbarten Zeit Audio und Video Verbindungen mit den Partnern am anderen Ende zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Die meisten Experimente haben keine blaue Box, sind aber auch nicht pink. Das liegt daran, dass sehr h\u00e4ufig Spezialisten, die mit dem Experiment und seinen T\u00e4tigkeiten vertraut sind und manchmal auch der\/die f\u00fcr das Experiment Hauptverantwortliche auf space-to-ground verf\u00fcgbar sind, um Unterst\u00fctzung oder, falls n\u00f6tig, Echtzeit-Fehlerbehebung zur Verf\u00fcgung zu stellen. In vielen F\u00e4llen hat man keine Chance, das Experiment ein zweites Mal korrekt durchzuf\u00fchren (zumindest nicht, bevor man neue Proben oder Equipment hochfliegt), daher ist es wichtig, gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Unterst\u00fctzung zu haben, falls Probleme auftreten sollten.<\/p>\n<p>Wo wir von Wissenschaft sprechen, heute habe ich ein bisschen am JAXA Experiment ANISO gearbeitet. Ich habe einige Durchl\u00e4ufe dieses Experimentes ausgef\u00fchrt, jeder (von meiner Seite aus) bestehend aus einer Anzahl von Aktivit\u00e4ten, die sich \u00fcber mehrere Tage verteilen.<\/p>\n<p>Sagen wir, es ist Tag 1: man nimmt sich eine Probenkammer, wie auf den Bildern zu sehen, und injiziert mit einer Spritze langsam 1,5ml Wasser. Anschlie\u00dfend kommt die Kammer bei +2\u00b0C f\u00fcr 96 Stunden in MELFI! Dies simuliert Winter und f\u00f6rdert eine gute Keimung der Samen der Schotenkresse\/G\u00e4nserauke. Anschlie\u00dfend kommt die Kammer f\u00fcr ungef\u00e4hr 4 Tage in Raumtemperatur (Der Fr\u00fchling ist da!) und am Ende, nachdem etwas mehr Wasser zugesetzt wurde, beginnen im Fluoreszenzmikroskop \u00fcber zwei Tage die Beobachtungen durch Wissenschaftler am Boden, die direkt die Livebilder von der ISS untersuchen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-175\" src=\"https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_1-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_1-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_1-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_1-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wissen schon seit langem, dass Pflanzen in der Schwerelosigkeit anders wachsen. Da sie hier oben die Schwerkraft nicht \u201esp\u00fcren\u201c, neigen sie dazu, einen d\u00fcnneren und l\u00e4ngeren Stamm zu entwickeln. Tats\u00e4chlich haben ANISO Wissenschaftler das Gegenteil davon am Boden getan, indem sie die Samen in eine Zentrifuge pflanzten und damit zeigten, dass die Pflanzen in \u201eHyperschwerkraft\u201c k\u00fcrzere und dickere St\u00e4mme entwickeln. Der Unterschied r\u00fchrt wahrscheinlich in der unterschiedlichen Ausrichtung von Mikror\u00f6hrchen in den einzelnen Zellen, welche ihre Form ver\u00e4ndern. Ich finde es faszinierend, dass etwas so kleines wie eine Zelle von der Schwerkraft beeinflusst wird!<\/p>\n<p>Eine bestimmte Gruppe von Proteinen, genannt MAPs, steuert die Ausrichtung der Mikror\u00f6hrchen und damit die Form des Stamms. Man kann nun die Mikror\u00f6hrchen und MAPs unter dem Fluoreszenzmikroskop nicht wirklich sehen, aber die Schotenkresse\/G\u00e4nserauke ist so konstruiert, dass sie ebenfalls ein fluoreszierendes Protein erzeugen, das MAPs genau nachahmt &#8211; und das funktioniert! Nun kann man das Fluoreszenzmikroskop nutzen, um indirekt Proteine zu beobachten, die man anderenfalls nicht sehen k\u00f6nnte. Faszinierend, oder?<\/p>\n<p>Es klingt ein wenig paradox, aber Schwerelosigkeit erm\u00f6glicht die Untersuchung der Auswirkung von Schwerkraft auf Pflanzen, was wiederum dabei helfen kann, landwirtschaftliche Anwendungen zu optimieren. Ich habe keinen Hintergrund in Biowissenschaft, daher ist das alles sehr neu f\u00fcr mich, aber ich hoffe, ihr findet es so faszinierend, wie ich!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-176\" src=\"https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_2-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_2-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_2-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.logbuch-iss.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/131-132_2-1.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Originaler Logbucheintrag bei Google+<br \/>\n<a href=\"https:\/\/plus.google.com\/u\/0\/+SamanthaCristoforetti\/posts\/bm7Z7B62Nw9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/plus.google.com\/u\/0\/+SamanthaCristoforetti\/posts\/bm7Z7B62Nw9<\/a><\/p>\n<p>(Trad IT)\u00a0 Traduzione in italiano a cura di <span class=\"proflinkWrapper\"><span class=\"proflinkPrefix\">+<\/span><a class=\"proflink aaTEdf\" href=\"https:\/\/plus.google.com\/110521588293795504129\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">AstronautiNEWS<\/a><\/span>\u00a0 qui:<br \/>\n<a class=\"ot-anchor aaTEdf\" dir=\"ltr\" href=\"http:\/\/www.astronautinews.it\/tag\/logbook\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/www.astronautinews.it\/tag\/logbook<\/a><\/p>\n<p>(Trad FR) Traduction en fran\u00e7ais par <span class=\"proflinkWrapper\"><span class=\"proflinkPrefix\">+<\/span><a class=\"proflink aaTEdf\" href=\"https:\/\/plus.google.com\/111492230072461896562\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anne Cpamoa<\/a><\/span> ici:<br \/>\n<a class=\"ot-anchor aaTEdf\" dir=\"ltr\" href=\"https:\/\/spacetux.org\/cpamoa\/category\/traductions\/logbook-samantha\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">https:\/\/spacetux.org\/cpamoa\/category\/traductions\/logbook-samantha<\/a><\/p>\n<p>(Trad ES) Tradducci\u00f3n en espa\u00f1ol por <span class=\"proflinkWrapper\"><span class=\"proflinkPrefix\">+<\/span><a class=\"proflink aaTEdf\" href=\"https:\/\/plus.google.com\/113164228795140737261\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carlos Lallana Borobio<\/a><\/span> aqui:<br \/>\n<a class=\"ot-anchor aaTEdf\" dir=\"ltr\" href=\"http:\/\/laesteladegagarin.blogspot.com.es\/search\/label\/SamLogBook\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">http:\/\/laesteladegagarin.blogspot.com.es\/search\/label\/SamLogBook<\/a><\/p>\n<p>Alle Bilder\u00a0\u00a9 ESA\/NASA<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ein relativ ruhiger Tag, was am Ende der Woche immer nett ist. 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