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L+141 – L+144: Ein Alternativplan für Dragons verzögerte Ankunft

Wie ihr vielleicht schon gehört habt, hat sich die Ankunft von Dragon um ein paar Tage verzögert. Hätte der Start am Montag stattgefunden, wäre Dragon bereits an Node 2 angedockt und wir hätten bereits die Luke geöffnet und begonnen, wichtige Fracht auszuladen.

Aber hey, in der Raumfahrt steht Flexibilität an erster Stelle. Der Start wurde um einen Tag verschoben, was die Ankunft an der ISS um zwei Tage verzögert…etwas Raumflugmechanik und Phasenwinkel für euch.

Wenn ihr aber denkt, dass wir während der Zeit des Wartens darauf, dass Dragon an unserer Tür klopft zwei Tage frei hatten, fürchte ich, dass ihr nicht mit den Kollegen vertraut seid, die die ISS Arbeiten steuern: sie haben immer einen Plan in der Schublade! Ein Start wurde verschoben? Voilà, ein neuer Plan ersetzt den alten. Bereit? Los geht’s! Immer wenn Dinge primär auf einem von Natur aus unsicheren Ereignis wie dem Start einer Rakete abhängen, dann haben die Missionsmanager, Flugdirektoren und Planer immer zwei vollstände Pläne: das erfordert eine Menge zusätzlicher Arbeit am Boden, stellt aber sicher, dass keine wertvolle Zeit der Besatzung auf der ISS verschwendet wird.

In diesem Fall hatten sie wichtige Pläne für den Fall einen Startausfalls. Ich hatte bereits am Dienstag so ein Gefühl: wenn sie dir eine ganze Stunde geben, um eine Prozedur für den nächsten Tag einzustudieren und du dann noch eine Stunde bekommst, um die Hardware dafür zusammenzusuchen und sie dir dann sagen, dass du kein Werkzeug aus der Werkzeugkiste, sondern stattdessen die ganze Kiste nehmen sollst…wenn all das zusammenkommt, weißt du, dass du dir an etwas wichtigem die Hände schmutzig machen wirst. Was ich liebe!

Während Terry und Scott mit ihrer Hauptaktivität an den EVA Anzügen beschäftigt waren, verbrachte ich den Tag in Node 3 damit, die intermodulare Luftführung zu rekonfigurieren in Vorbereitung für das Bewegen des PMM Moduls vom Node 1 Tiefpunkt nach Node 3 vorwärts gerichtet im Laufe dieses Jahres. Im Prinzip müssen wir sicherstellen, dass PMM an seinem zukünftigen Standort eine Belüftung hat. Ich hätte nie gedacht, dass es möglich wäre, so viele Säcke Hardware in Node 3 zu verstauen, im ziemlich engen Raum zwischen ARED und der Toilettenkabine, aber irgendwie hat es geklappt. Und um 02:00 Uhr Houstoner Zeit waren die Spezialisten am Boden bereit, mich zu unterstützen, mit einem Bodenmodell des Equipments, um eventuell auftretende Probleme zu reproduzieren. Glücklicherweise ging, abgesehen von einigen festsitzenden Verbindern, alles glatt: Hut ab an das Team dafür, dass sie so eine tolle, nutzerfreundliche Prozedur vorbereitet hatten!

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Die Verspätung von Dragon eröffnete auch etwas freie Zeit, um am Europäischen Modularen Anbausystem (EMCS – European Modular Cultivation System) im Columbus Modul zu arbeiten. Ich baute einige Module namens „Rotos Based Life Support Systems“ aus – autarke Kästen, die an den Rotoren dieser Anlage angeschlossen sind. Sie werden zusammen mit Dragon zur Erde zurückkehren, aufbereitet und in der Zukunft wieder verwandt, um zukünftige Pflanzenexperimente zu unterstützen.

Ach so, ich arbeitete auch ein bisschen an einem Kubik, der eigenständigen Zentrifuge/Brutkiste, die wir manchmal im Kolumbus Modul für Experimente an Zellkulturen nutzen. Ich schloss das Experiment Stammzellendifferenzierung (Stem Cells Differentiation) ab, indem ich die Container in die Kältelagerung verlegte und Kubik Daten an den Boden schickte. Wie der Name schon sagt, untersucht dieses Experiment menschliche, mesenchymale Stammzellen, welche sich auf verschiedene Zelltypen aufteilen, um Knochen, Fett, Knorpel, Muskeln oder Sehnen aufzubauen. Nun, wenn ihr eine Stammzelle seid und ihr habt die Wahl, wie wisst ihr, wie ihr euch aufteilen müsst? Was werdet ihr, wenn ihr „groß“ seid? Das hängt von den Signalen ab, die ihr von den sogenannten signalgebenden Molekülen bekommt. Vitamin D ist eins dieser signalgebenden Moleküle und genau gesagt wissen wir, dass es daran beteiligt ist, den Stammzellen zu sagen, dass sie sich in Knochenzellen entwickeln sollen. Knochenverlust ist, wie ihr wisst, ein großes Problem in der Schwerelosigkeit, dieses Experiment untersucht also die Effektivität von Vitamin D, indem es Stammzellenaufteilung vergleicht, mit ohne und das Vorhandensein von Vitamin D. Ziemlich cool, oder?

Übrigens, ich weiß nicht, wieviel Sonnenlicht ihr abbekommt, dort wo ihr wohnt (wir bekommen hier oben nicht viel ab), aber wenn ihr es nicht schon getan habt und die Gelegenheit bekommt, checkt bei eurer nächsten Blutabnahme eure Vitamin D Werte!

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(Trad IT)  Traduzione in italiano a cura di +AstronautiNEWS  qui:
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(Trad FR) Traduction en français par +Anne Cpamoa ici:
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(Trad ES) Tradducción en español por +Carlos Lallana Borobio aqui:
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Alle Bilder © ESA/NASA